Hedgefondsmanager John Paulson verkauft Goldanteile – Anzeichen für eine Preiswende?

Einer der weltweit wichtigsten Investoren, der US-amerikanische Hegdefonds-Manager John Paulson, hat sich im Herbst 2011 von Milliardenbeständen an Gold getrennt. Die Finanzwelt rätselt über die Hintergründe.

Trendsetter Paulson?

John Paulson gilt als Liebhaber von Gold, und er muss als Koryphäe bezeichnet werden. Der studierte Finanzwirtschaftler, Jahrgang 1955, ist Gründer der Investmentgesellschaft Paulson & Co, der er auch als Präsident vorsteht. Die 1994 gegründete Gesellschaft verwaltete im Jahr 2008 bereits 28 Milliarden US-Dollar. Damit wird John Paulson zu einem der wirklichen Big Player unter den privaten Investoren weltweit gezählt.
Finanzexperten versuchen die Gründe für Paulsons Goldverkäufe zu analysieren. Verschiedene Hypothesen stehen im Raum, denn dass Paulson seine Affinität zu Gold generell beendet hat, gilt als unwahrscheinlich. Er hatte in Indexfonds auf Gold investiert, die viel Gebühren kosten, möglicherweise hat er in Goldbarren umgeschichtet, die preiswerter zu verwalten sind. Vielleicht benötigte er auch Liquidität, denn andere seiner Fonds hatten seit der 2008er Finanzkrise Wertverluste erlitten, worauf sich Anleger zurückzogen. Deren Anteile müssen ausgezahlt werden, wozu der Cash-flow aus den Goldverkäufen dienen könnte. Insgesamt rund ein Drittel an seinen Anteile am SPDR Gold Shares hat Paulson bis Ende September 2011 verkauft, der Fonds ist einer der größten Indexfonds auf Gold weltweit. Die Transaktion musste der Aufsichtsbehörde SEC pflichtgemäß gemeldet werden, was Einblick in die Anlagepolitik des Fonds ermöglicht. Am aktuellen Marktwert des Goldes gemessen verkaufte Paulson Anteile für 1,94 Milliarden Dollar. Wenn nicht die beschriebenen Gründe des Cash-Bedarfs ausschlaggebend waren, könnte Paulson auch auf einen sinkenden Goldpreis spekulieren.

Goldpreisentwicklung: Prognosen

Schon Georges Soros hatte sich im ersten Halbjahr 2011 von Goldengagements getrennt, dass Paulson dem jetzt folgt, könnte Prognosen über die Goldpreisentwicklung zulassen. Denn das gelbe Metall hat seit dem Beginn der 2000er Jahre, befeuert durch mehrere Finanzkrisen, eine rasante Rallye hingelegt, die es an historische Höchststände in der Spitze über 1.900 Dollar pro Feinunze geführt hat (September 2011). In diesem Moment verkaufte Paulson endgültig, was sich als kluger Schachzug herausstellen könnte. Denn das im September 2011 markierte Goldhoch ist ein wirkliches All-Time-High, wie es die Welt nicht alle Tage sieht – auf Sicht von tausend Jahren. Experten, die ultralange Charts untersuchen und den Goldpreis beispielsweise mit dem von Grund und Boden, Immobilien oder anderen Währungen abgleichen, ermittelten für exakt das 15. Jahrhundert einen annähernd gleich hohen Goldpreis. Danach fiel der Preis, im 20. Jahrhundert pendelte er bis auf einen kurzen Ausbruch in den 1970er Jahren (nach der Aufgabe der Goldpreisbindung wichtiger Währungen) jahrzehntelang auf niedrigem Niveau in einer engen Range. Aus dieser Perspektive ist die Grenze zwischen rund 1.800 bis 1.900 Dollar ein ultraharter Widerstand – Gold muss eigentlich fallen.

Anleihenkäufe der EZB ohne Alternative?

Seit Beginn der Schuldenkrise hat die Europäische Zentralbank Staatsanleihen im Wert von rund 200 Milliarden Euro aufgekauft. Ziel dieser Maßnahme ist es, die von finanziell angeschlagenen Staaten zu entrichtenden Zinsen zumindest auf ein erträgliches Niveau zu begrenzen. Teilweise gelingt das durchaus, der Zinsanstieg für italienische Staatsanleihen konnte auf diese Weise zumindest vorübergehend abgemildert werden. Allerdings existiert ein gewichtiges Argument, das von Kritikern dieser Strategie wiederholt vorgebracht wird: Die europäischen Verträge verbieten einen solchen Ankauf eigentlich.

Andere Länder – andere Sichtweisen

Das wesentliche Problem des Aufkaufs der Staatsanleihen durch die EZB besteht darin, dass auf diese Weise zusätzliches Geld in Umlauf gebracht wird. Damit bergen diese Ankäufe ein erhebliches Inflationsrisiko. Genau hier liegt der Grund dafür, dass die deutsche Politik dieser Strategie erheblich kritischer gegenübersteht, als dies in der Mehrzahl anderer Staaten der Fall ist. Hyperinflation und Währungsreform sind Erfahrungen, die beispielsweise Italien und Frankreich nicht gemacht haben. In Deutschland wird die Geldwertstabilität daher als oberster Ziel der Finanz- und Wirtschaftspolitik angesehen. Andere Länder sehen darin eines von mehreren Zielen, die miteinander in Einklang zu bringen sind, was gegebenenfalls auch Kompromisse bei der Geldwertstabilität erforderlich machen kann. Die von der EZB seit Mitte 2010 gefahrene Strategie ist daher beispielsweise in Großbritannien und den USA eine seit langem praktizierte und kaum kritisierte Vorgehensweise – wenn der Staat Geld braucht, wird es gedruckt. Wichtige Berater des amerikanischen Präsidenten Obama empfehlen beispielsweise, eine jährliche Inflationsrate von fünf bis sechs Prozent bewusst anzustreben, um auf diese Weise die Staatsschulden zu entwerten.

Weitere Argumente der Kritiker der EZB

Von politisch linker Seite werden die Anleihenkäufe der EZB mit dem Argument angegriffen, dass eine direkte Finanzierung der Staaten durch die EZB eine preiswertere Alternative sei. Gegenwärtig leiht die EZB Banken Geld zum niedrigen Leitzins, das diese zu erheblich höheren Zinsen als Kredite an die Staaten vergeben. Anschließend kauft die EZB diese Anleihen zumindest teilweise wieder auf. Wäre es da nicht günstiger, wenn Staaten sich direkt bei der EZB Geld leihen könnten? Nein, sagt zumindest die Mehrheit der Wirtschaftswissenschaftler. Eine solche Maßnahme würde die Kreditzinsen von der Verschuldungssituation eines Staates entkoppeln und damit zusätzliche Anreize für eine weitere Verschuldung setzen. Eine weitere diskutierte Alternative besteht darin, dass die EZB keine Staatsanleihen aufkauft, sondern lediglich zusichert, bei Bedarf Anleihen in unbegrenzter Höhe aufzukaufen. Die Hoffnung besteht darin, dass Staatsanleihen dadurch zu derart sicheren Anlagen würden, dass sich genügend private Anleger finden. Das Problem dieser Strategie besteht darin, dass die EZB damit auf eine ähnliche Linie einschwenkt wie die britische und die amerikanische Zentralbank. Zumindest in Deutschland ist das unerwünscht.