EZB plant einen neuen Stresstest

Die Bankenunion wirft ihre Schatten voraus. Erst wurde über Jahre geplant und verhandelt, doch nun geht alles plötzlich ganz schnell und die Aufseher setzen bereits ihre ersten Zeichen. Schneller als viele gerechnet haben, werden nun schon die ersten Rahmenbedingungen geschaffen. Selbst große Themen wie größere Risikopuffer für Banken und Pläne wie man Banken von Markt nehmen kann, werden bereits von den Aufsehern besprochen.

Eine wichtige Säule für zukünftige Entscheidungen und zur Prüfung der europäischen Banken ist ein geplanter Stresstest für 128 Banken in der Euro-Zone. Unter diesen Banken finden sich auch 24 deutsche Banken. Bei den deutschen Banken sind keine großen Überraschungen zu erwarten, doch die Schiffskredite könnten den Bankern doch einige Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Hintergrund sind die Ergebnisse einer Sonderprüfung der Bafin, die bei einigen Instituten nicht zur vollen Zufriedenheit abgeschlossen wurden. Die Bafin habe mit ihrer Prüfung einer europäischen Prüfung vorgreifen wollen und kann sich nun nicht vorwerfen lassen nicht genau hingeschaut zu haben. Die von der Bafin entdeckten Finanzlücken sollten so auch in der Prüfung der EZB auftauchen. Von Seiten der Bafin erwartet man entsprechend nichts Neues von dieser Prüfung.

Die EZB kündigte inzwischen an genau hinschauen zu wollen. Bei vorherigen Tests hat man risikobehaftete Papiere, bzw. riskante Bilanzpositionen nicht so genau geprüft. Dies soll sich beim geplanten Stresstest ändern, sprich Bilanzpositionen werden genau durchleuchtet und auch besonders risikobehaftete Investments werden genau geprüft. Dazwischen finden sich spanische Immobilien, griechische Staatsanleihen und Schiffskredite, die besonders den deutschen Banken zu schaffen machen.

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Schiffskredite sind Gift für manche Banken

Unter den zwölf größten Schiffsfinanzierern der Welt sind fünf deutsche Banken vertreten. Sie vereinen etwa ein Drittel des Gesamtportfolios. Viele dieser Kredite sind allerdings faul, denn die Schifffahrt befindet sich in einer tiefen Krise und auch nach fünf Jahren der Krise ist keine Besserung in Sicht.

Auch jetzt strömen noch neue Schiffe auf den Markt. Diese Containerschiffe und Stückgutfrachter stammen noch von Bestellungen vor der Krise. Diese Schiffe wurden von Banken und Privatanlegern finanziert und deutschen Reedern beauftragt. Das Handelsvolumen vor dem Einbruch im Jahr 2008 wurde nicht wieder erreicht, was Frachtraten und Schiffspreise zu Folge hat, die im Keller sind. Viele Eigner und Geldgeber wären längst pleite, wenn man sie nach Marktpreisen bewerten würde. Doch gerade dieses Aufräumen möchte man bei den Banken gerne vermeiden. Die Banker weisen auf die langfristige Ausrichtung des Investments hin und zeigen so auf, dass sich das Warten lohnen wird. Mit Notverkäufen von Schiffen würden die Probleme nur noch größer werden und andere Aktiva würden in Mitleidenschaft gezogen.

Ob die Prüfer der EZB dieser Argumentation folgen können ist fraglich, denn sie müssen die Neutralität waren. Man will sich schließlich nicht vorwerfen lassen auf dem deutschen Auge blind gewesen zu sein. Dies ist besonders deswegen wichtig, weil die Bundesregierung durchgesetzt hat, dass nur die größten deutschen Banken geprüft werden. Dadurch werden Sparkassen und Genossenschaftsbanken von der Prüfung ausgeschlossen, was zu einem deutlich kleineren Prüfung des Finanzsektors führt, als in jedem anderen Land.

Sind HSH Nordbank, NordLB und Commerzbank Sorgenkinder?

Die HSH Nordbank, Landesbank von Schleswig-Holstein und Hamburg, ist nach eigenem Bekunden der weltweit größte Schiffsfinanzierer. Das Ausfallrisiko liegt derzeit bei rund 26,8 Milliarden Euro, vor fünf Jahren war es noch gut doppelt so hoch. Doch zum Angeben taugen diese Zahlen wirklich nicht. Selbst Bankchef Constantin von Oesterreich kann nichts positives über die Schifffahrt sagen und fügte jüngst gegenüber Reuters hinzu, dass selbst kleine Lichtblicke schnell wieder verschwunden sind. Mit einer Besserung rechnet die HSH erst wieder 2015.

Die NordLB hingegen gilt als kleines Sorgenkind der Aufsehen. Die Niedersachsen sind sehr gut aus der allgemeinen Bankenkrise gekommen, auch wenn sie den einen oder anderen Fehler begangen haben. Rettungsaktionen vielen nur sehr gering aus und so galt die NordLB als Vorzeigeobjekt der Branche der Schiffsfinanzierer. Doch nun ist alles anders, die NordLB viel im letzten europaweiten Stresstest durch eine zu dünne Kapitaldecke negativ auf. Zwa wurde die Kapitaldecke merklich gestärkt und auch die Risikovorsorge wurde aufgestockt, doch ob dies ausreichend ist wird sich noch zeigen. Auch bei der NordLB wird mit einer Wende in der Schiffsbranche erst im Jahr 2014 gerechnet.

Die Commerzbank ist nach dem Branchenprimus HSH Nordbank der wohl zweitgrößte Schiffsfinanzierer der Welt. Was das Geschäft der Schiffsfinanzierungen angeht, blickt man in der Frankfurter Konzernzentrale auf eine stolze und lange Tradition zurück. Doch die Tradition ist gewichen und man versucht nun den Bestand ohne Verkäufe und wertschonend abzubauen. Bis 2016 soll das Portfolio um 40 Prozent gesenkt werden. Dieses Ziel ist sehr anspruchsvoll und so besteht doch die Möglichkeit von Notverkäufen, was die Commerzbank wiederum verdächtig macht. Skeptisch blicken Experten daher auf die Commerzbank und ihrer Einschätzung, dass der Schiffsmarkt bereits 2014 anziehen könnte.

Ob und in wieweit die Schiffskredite den Banken Probleme beim Stresstest machen, wird sich zeigen. Bei einigen Banken ist der Stresstest aber nicht sonderlich beliebt und sorgt schon im Vorwege für eine gewisse Nervosität.

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Die zentrale Bankenaufsicht kommt

Lange Zeit wurde schon über eine zentrale Bankenaufsicht und deren Ausgestaltung gesprochen. Nun folgte der lang ersehnte Beschluss auf europäischer Ebene. Am gestrigen Dienstag einigten sich die EU Finanzminister in Luxemburg auf die endgültige Rechtsgrundlage. Damit folgen die Finanzminister einer ersten Entscheidung des Europaparlaments, welche seine Entscheidung bereits im September gefällt hat. Ab Herbst 2014 wird die Europäische Zentralbank (EZB) rund 130 Großbanken aus dem europäischen Währungsgebiet unter Aufsicht nehmen.

Für die EZB ist diese frühe Entscheidung sehr wichtig, denn nun kann sie mit den ersten Arbeiten beginnen. Das EZB Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen sagte gegenüber dem Handelsblatt, dass man nun in die erste praktische Umsetzung gehen kann, sprich Mitarbeiter einstellen und Gebäude anmieten. Nach ersten Erkenntnissen werden für die Aufgaben rund 1.000 Mitarbeiter benötigt, wobei 700 direkt als Bankenaufsehen tätig sein werden. Er sagte: „Jetzt können wir richtig gut loslegen, wir sind gut vorbereitet. Es ist ein wichtiger Tag, es ist ein guter Tag.“

Ganz ähnlich äußerte sich auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU): „Die EZB hat jetzt die Rechtsgrundlage, um ihre Arbeit aufzunehmen. Ein konsequenter Stresstest wird das Vertrauen in den europäischen Bankensektor weiter stärken.“ Der angesprochene Stresstest ist für das kommende Jahr angedacht.

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Einige Punkte sind noch zu klären

Zuletzt galt es Großbritannien auf seine Seite zu bekommen. Die Briten hatten zuletzt die Entscheidung um Wochen verzögert, da das Parlament noch einige Bedenken geäußert hatte. Die Zustimmung aus Großbritannien ist wichtig, denn die Aufsicht ist nur die erste Säule der europäischen Bankenunion. Die Bankenunion wiederum ist sehr wichtig, denn sie soll verhindern, dass Banken erneut in eine Schieflage geraten und so auch ganze Staaten gefährden.

Die zweite Säule der Bankenunion ist bislang sehr umstritten und es wird noch viel Diskussionsbedarf erwartet. Es betrifft ein gemeinsames System zur Sanierung und Schließung von maroden Banken. Dieser Punkt birgt vor allem sehr hohe rechtliche Risiken, die man momentan nur schwer abschätzen kann. Hier kann man nicht erst etwas ausprobieren und dann mal schauen was passiert. Dies würde die Finanzmärkte schwer ins Wanken bringen. EU Binnenmarktkommissar Michel Barnier hatte bereits im Sommer einen ersten Entwurf für einen gemeinsamen Mechanismus vorgelegt, gegen den aber unter anderem auch Berlin wetterte. Dieser beinhaltete unter anderem, dass die EU Kommission entscheiden kann, dass ein Bankhaus abgewickelt werden muss. Damals war man noch zuversichtlich eine Lösung bis zum Jahresende zu finden.

Eine wichtige Ergänzung teilten die EU Finanzminister gestern noch mit. Es ist auch Banken aus Nicht-Euroländern möglich sich unter die gemeinsame Bankenaufsicht zu stellen, sofern es gewünscht wird. Zudem teilte man mit, dass der beschlossene einheitliche Überwachungsmechanismus für die Banken (Single Supervisory Mechanism/SSM) aufgebaut wird durch die EZB und den nationalen Überwachungsbehörden. So will man auch ermöglichen, dass die Geldpolitik und die Überwachungsaufgaben strikt getrennt werden.

Die Angst vor der globalen Rezession

Seit mehr als einer Woche sind die USA in verbissenen Haushaltsverhandlungen. Die Fronten zwischen den Parteien sind verhärtet und so droht nun der Staatsbankrott, sofern die Schuldenbremse nicht angehoben wird. Doch was wird passieren wenn dieser Fall eintritt? Dieses Szenario mag sich noch niemand so recht ausmalen und so bleibt die Hoffnung, dass sich die Parteien bald doch noch einigen können. Problematisch ist, dass die Märkte langsam nervös werden. Aber auch die Politiker anderer Staaten erhöhen langsam den Druck auf die USA und besonders auf Präsident Barack Obama.

Zuletzt keimte ein wenig Hoffnung auf, weil sich Republikaner und Demokraten langsam aufeinander zu bewegten. Den Durchbruch haben die Parteien aber noch nicht erreicht und so geht das nervenaufreibende Spiel mit der weltweiten Konjunktur weiter. Der OECD Generalsekretär Angel Gurria brachte es gegenüber dem Handelsblatt auf den Punkt: „Die aktuelle Blockade in den USA bedroht völlig unnötig die Stabilität und das Wachstum nicht nur der US-Wirtschaft, sondern der Weltwirtschaft.“

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Folgen für die USA

Sollten die Demokraten und Republikaner nicht auf die Anhebung der Schuldengrenze einigen können, müssen zwischen Mitte Oktober und Mitte November die Ausgaben um gut acht Prozent der monatlichen Wirtschaftsleistung, also rund 108 Milliarden US-Doller (umgerechnet rund 78 Milliarden Euro) gesenkt werden. Man sollte glauben, dass kein Mensch mit solchen Summen und den absehbaren Risiken einfach so spielen würde, aber genau dies ist momentan der Fall in Washington.

Eine weitere sehr schwerwiegende Folge ist, dass Zins- und Tilgungszahlungen auf US Staatsanleihen bald ausfallen könnten. Die Folgen für die weltweiten Finanzmärkte wären nicht absehbar. Wenn das weltweit sicherste Asset nicht mehr sicher ist, welche Staatsanleihe kann dann noch sicher sein? Und wenn die sicheren Staatsanleihen nicht mehr sicher sind, wie sieht es dann mit Wertpapieren aus? Die momentane Nervosität der Märkte ist mehr als verständlich.

Sollte es zu diesem Szenario kommen, würden die vermuteten Ereignisse die Folgen der Lehman Pleite in den Schatten stellen. Der weltweite finanzielle Infarkt aus der Lehman Pleite von 2008 wirkt noch bis heute nach, doch die Folgen dieses Infarkts würde man nicht wieder heilen können. Es ist also die Pflicht der USA den Zahlungsausfall zu vermeiden.

Ziehen Schweizer Banken sich bald aus Deutschland zurück?

Die Schweizer Banken haben sich, ebenso wie andere Großbanken auch, hauptsächlich auf Geschäfte mit reichen Deutschen spezialisiert. Vermögen zu verwalten ist einer der einträglichsten Geschäfte für Banken. Da laut Statistik mehr als eine Millionen Menschen mit einem Vermögen über eine Millionen Dollar in Deutschland wohnen, wollten die Schweizer den Deutschen Markt erobern beherrschen. Vorreiter waren die UBS und die Credit Suisse, die um die Jahrtausendwende nach Deutschland kamen. Der Plan der Banken war soweit auch ganz gut, allerdings erfüllten sich die Hoffnungen nicht und so fragen sich Experten, wie lange sich die Schweizer noch am Deutschen Markt halten können. Gemäß den Experten haben die Banken mit Blick auf Marktanteile und Profitabilität ihre Ziele nicht erreicht.

Neben den Schweizer Banken sind aber auch noch andere ausländische Banken in den Deutschen Markt eingedrungen. Da die Deutschen Bank und Sparkassen den Markt des Private Banking aber auch für sich erkannt haben, ist der Markt mittlerweile gesättigt. Um in diesem Markt noch wachsen zu können, muss sich die Bank schon viel einfallen lassen und man muss dem Konkurrenten auch mal Kunden abjagen.

Die Schweizer Credit Suisse möchte sich nun Gerüchten zufolge aus dem Private Banking verabschieden und erwägt daher sein Private Banking in Deutschland zu verkaufen. Nach Einschätzungen von Experten verwaltet die Großbank rund zwölf Milliarden Euro hierzulande, dies scheint aber noch zu wenig zu sein um profitabel arbeiten zu können.

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UBS Deutschland will am Deutschen Markt bleiben

Die Credit Suisse möchte von den genannten Gerüchten nicht äußern. Wie der Chef der Großbank Brady Dougan noch im Sommer sagte, ist das Geschäft in Deutschland sehr wichtig, allerdings ist der Markt auch sehr umkämpft. Die Credit Suisse hat allerdings auch einen entscheidenden Fehler gemacht, denn vor einigen Jahren hat man sich entschieden, auch Kunden mit einem Vermögen ab 50.000 Euro aufzunehmen. Man hegte damit die Hoffnung, dass man mit diesen Kunden auch gutes Geld verdienen kann. Allerdings erfüllten sich diese Hoffnungen nicht und so versucht man sich nun wieder rein um Kunden mit einem Vermögen ab einer Millionen Euro zu konzentrieren.

Allerdings reichte dies nicht um die Geschäfte profitabler zu gestalten und so wurden Sparpläne erarbeitet. In Deutschland werden dazu 150 der 500 Stellen gestrichen und drei von zwölf Standorten geschlossen. Dies erscheint hart, allerdings hat es Italien noch härter getroffen, dort wurden zwei Drittel der Standorte geschlossen.

Die UBS hat eine vergleichbare Größe wie die Schweizer Konkurrenz, allerdings will man hier nichts von Sparmaßnahmen wissen. Eine Sprecherin sagte: „Deutschland ist einer der wichtigsten europäischen Märkte, folglich planen wir keinen Rückzug.“ Die UBS Deutschland steht allerdings auch auf der Wachstumsbremse. Sie verwaltet derzeit ein Privatkundenvermögen von rund 25,8 Milliarden Euro und ist damit einer der größten Anbieter. Im Jahre 2012 konnte der Konzern kaum wachsen, wie man dem Jahresfinanzbericht entnehmen konnte, zudem sei man in Deutschland auf der Suche nach Rationalisierungsmöglichkeiten.

Steuerskandale und hohe Kosten schaden den Banken

UBS Konzernchef Axel Weber sagte jüngst, dass die UBS nach Asien expandieren wolle. Er sehe im EU Raum keinen großen Wachstumsmarkt mehr. Daher schloss man auch vier Standorte und entließ 30 Mitarbeiter. Der UBS machen scheinbar die hohen Kosten zu schaffen. Um Kunden von der Konkurrenz zu gewinnen benötigt man gute Berater und die Berater müssen auch in der Lage sein, einen reichen Erben bei der UBS zu halten, sonst wandern die Einlagen ab und damit der Profit. Schwierig sind zudem die hohen Kosten für die neuen Aufsichtsregeln und durch die niedrigen Zinsen kann man ebenfalls schlecht Geld verdienen. Die Kunden sind zudem sehr anspruchsvoll und feilschen um jeden Cent bei den Konditionen.

Die Schweizer Banken haben zudem mit den Steuerskandalen zu kämpfen. Bisher waren die Schweizer Banken gern gesehen, doch mittlerweile hat das Label „Swiss Banking“ einen tiefen Kratzer erhalten. Zudem befürchten viele Kunden gleich als Steuerflüchtling zu gelten, nur weil man das Geld bei der Credit Suisse oder der UBS anlegt. Wenn sich die Schweizer Banken tatsächlich zurück ziehen sollten, werden sie vermutlich schnell gute Abnehmer für das Private Banking finden. Der Deutsche Markt ist zwar hart umkämpft, allerdings auch heiß begehrt. Viele ausländische Investoren schielen zu uns, vor allem aus den USA und Großbritannien.

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