Die Gefahr einer Immobilienblase wächst

Schon seit geraumer Zeit warnen Experten vor einer stetig wachsenden Immobilienblase in Nordeuropa. Nun hat Standard & Poor´s die Bonität der Niederlande herabgestuft und damit erneut auf das Problem aufmerksam gemacht. Die Herabstufung wurde an den Finanzmärkten zur Kenntnis genommen, hatte aber keine großen Auswirkungen, denn die Probleme der Niederlande sind schon lange Zeit bekannt. Im wesentlichen ist die hohe Privatverschuldung, der anfällige Häusermarkt und das schwache Wirtschaftswachstum für die Niederlande problematisch.

Insbesondere der Immobilienmarkt ist in anderen Teilen Nordeuropas problematisch. So hat der Internationale Währungsfonds (IWF) im Herbst kritisch auf den schwedischen Häusermarkt geschaut. In Schweden hat es einen massiven Preisverfall am Häusermarkt gegeben, was der gesamten Region schaden kann. In dem Bericht heißt es wörtlich: „Ein plötzlicher und spürbarer Fall der schwedischen Immobilienpreise könnte sich als schwerer Schlag für den Konsum und die Beschäftigung erweisen mit negativen Rückwirkungen für die Banken durch faule Kredite und höhere Refinanzierungskosten.“

Im Schweden ist man dennoch vorbereitet, denn in den neunziger Jahren gab es bereits eine Finanzkrise, die vom Immobilienmarkt ausgegangen ist. Damals mussten Banken verstaatlicht werden, damit das System wieder stabilisiert werden konnte. Problematisch ist, dass die hohe Privatverschuldung in vielen Ländern und eine Blasengefahr bei Immobilien in vielen Ländern bekannt ist, allerdings nicht als Gefahr für die Bonität gesehen wird.

Kreditausfallderivate als Indikator

Die Preise für Kreditausfallderivate (CDS) auf fünfjährige Staatsanleihen können zeigen wie stabil die Bonität eines Landes ist. Die niedrigsten CDS Preise weltweit hat Norwegen mit 15 Basispunkten und das obwohl der Immobilienboom bereits beendet ist. Manche Marktteilnehmer warnen derzeit gar vor einer massiven Preiskorrektur. Dies scheint für die Staatsfinanzen aber nicht problematisch sein, da die Einnahmen aus der Gas- und Ölförderung die Finanzen stabilisieren.

Aber auch andere Länder in denen immer wieder vor einer Immobilienblase gewarnt wird, haben einen niedrigen CDS Preis. Deutschland, Schweden und Dänemark haben zwar auch eine hohe Privatverschuldung, allerdings ist diese noch im Vergleich zur Wirtschaftsleistung niedrig und so steht der Preis mit 20 Basispunkten sehr niedrig. Im Vergleich dazu ist der CDS Preis in den Niederlanden mit 40 Basispunkten deutlich teurer, aber im internationalen Vergleich noch recht günstig. Dies liegt unter anderem daran, dass die Banken Nordeuropas als besonders solide gelten, gleichzeitig sind sie aber auch besonders stark in die Immobilienfinanzierung eingebunden.

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Wie problematisch ist die Privatverschuldung?

Eine Ursache für die Privatverschuldung kann man nicht klar ausmachen, die Immobilienpreise tragen aber auch einen Teil dazu bei. Wirft man einen Blick nach Dänemark, kann man sehen dass die Wirtschaft in den ersten beiden Quartalen gestiegen ist und mit ihr auch die Immobilienpreise. Auch in der Hauptstadt Kopenhagen steigen die Preise für Mietwohnungen. Zwar kosten diese noch immer deutlich weniger als Wohnungen in Oslo oder Stockholm, gleichzeitig sind sie aber auch teurer als Wohnungen in Berlin.

Eine solche Entwicklung ist dann nicht problematisch, wenn die Wirtschaft gleichzeitig mit wächst und die Menschen in gut bezahlter Beschäftigung sind. Der Zenit scheint allerdings langsam erreicht zu sein und dann müssen die Regierung gut gerüstet, bzw. vorbereitet sein. In Schweden ist dieser Punkt allmählich erreicht. Die Inflationsrate ist sehr niedrig, das Wirtschaftswachstum ist schwach und auch die Arbeitslosenquote ist mit 7 Prozent für schwedische Verhältnisse sehr hoch. Derzeit streitet man im Parlament über das weitere Vorgehen.

Auch andere Länder schauen interessiert auf Schweden und deren Umgang mit der Situation. Viele wissen selbst noch nicht wie man angemessen reagiert und auch von Seiten des IWF hat keinen „Masterplan“. Ob man mit Geldpolitik gegen Immobilienblasen und Preisblasen an Vermögensmärkten vorgehen soll, ist bei den Experten umstritten. So bleibt zu hoffen dass die Immobilienblase nicht weiter wächst und irgendwann platzt.

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Mittelstandsanleihen schlechter als ihr Name

Der Mittelstand ist der Motor der deutschen Wirtschaft. Er steht für Zuverlässigkeit und stetigen Wachstum. Es galt daher als sehr gute Idee, als von drei Jahren die Mittelstandsanleihen auf den deutschen Aktienmarkt kamen. Bisher wurden nach Angaben des Bonitätsprüfers Scope Ratings 145 Schuldtitel von 127 Unternehmen von rund 5,6 Milliarden Euro auf den Markt gegeben. Das große Problem dieses Segments ist es, dass viele Insolvenzen den Markt überschatten. Der wohl bekannteste Fall ist der Windparkentwickler Windreich. Zudem mussten der Abfallverwerter FFK und der Onlinehändler Getgoods Zahlungsprobleme einräumen.

Experten sprechen aufgrund dieser Entwicklung mittlerweile sogar von einem Etikettenschwindel, der mit dem Wort „Mittelstand“ betrieben wird. Als das Marktsegment vor drei Jahren an der Börse Stuttgart und später an weiteren Börsen, u.a. Düsseldorf und Frankfurt, aufkam, rückte es sofort in den Mittelpunkt und kam zu Erfolg. Hätte es nicht den Namen Mittelstandsanleihen getragen, wären sie vermutlich nie so erfolgreich geworden, behaupten sie weiter. Manch einer von ihnen spricht gar von Schrottanleihen, in Anlehnung an den angelsächsischen Begriff „Junk Bonds“, doch selbst diese Anlageklasse hat sich besser entwickelt als die Mittelstandsanleihen. Scope hat 14 der rund 127 deutschen Emittenten als „Default“ bewertet. Dies bedeutet, dass sie insolvent sind, sprich ihre Zinsen nicht bedienen oder sie restrukturieren ihre Anleihen. Insgesamt sind derzeit 16 Anleihen in einem Gesamtwert von 650 Millionen Euro betroffen. Dies entspricht rund 12 Prozent des Marktvolumens.

Die europäischen Junk Bonds haben im Vergleich dazu eine Ausfallquote von gerade mal 2,2 Prozent, wie Standard & Poor´s für das Jahr 2012 errechnet hat. Bei den Junk Bonds handelt es sich um Emittenten aus dem nicht mehr investitionswürdigen Bereich, was dem Ratingspektrum BB+ und schlechter entspricht. Diese Anleihen nennt man auch High Yield Bonds, da sie über eine überdurchschnittlich hohe Verzinsung verfügen. Das hohe Risiko wird durch die hohe Rendite ausgeglichen.

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Investoren gehen keine hohen Risiken ein

Wenn man ein Zwischenfazit über die Entwicklung der Mittelstandsanleihen ziehen möchte, würde dieses sehr ernüchternd ausfallen. Dies ist wiederum nicht gut, weil der Markt dem Mittelstand helfen könnte. Es bietet eine sehr gute Alternative zum Bankkredit, zumal die Banken in Zukunft die Vergabekriterien verschärfen werden. Die Banken müssen in Zukunft ihre vergebenen Kredite mit mehr Eigenkapital unterlegen und werden ihre Prüfkriterien für Kredite entsprechend anpassen müssen.

Sven Janssen von der Frankfurter Investmentbank Close Brothers Seydler sagte gegenüber der „FAZ“: „Seit Anfang des Jahres beobachten wir, dass die Investoren bei Mittelstandsanleihen ihre Bedingungen verschärfen.“ Die Investoren sind offensichtlich vorsichtiger geworden und schauen nicht mehr nur auf die hohen Zinssätze von acht Prozent und mehr. Sie interessieren sich auch für die Mittelverwendung und die höhere Besicherung. Dies wiederum begrüßen viele Experten, denn der Markt kann dadurch reifen.

Angesichts der Niedrigzinsen durch die EZB könnten viele Anleger auch bald Überlegungen anstellen, warum ein Unternehmen sich mit vergleichbar hohen Zinsen refinanzieren muss. Angesichts des bestehenden Risikos scheinen die Banken höhere Kreditzinsen zu verlangen, als es bei anderen Unternehmen üblich ist. Im kommenden Jahr werden laut Scope wieder einige Anleihen fällig, darunter unter anderem eine Anleihe von Air Berlin mit einem Wert von 150 Millionen Euro.

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Lohnt es sich noch an die Börse zu gehen?

Derzeit Anlageentscheidungen zu treffen ist extrem schwierig. Konservative Sparverträge bringen keine Rendite, da die Zinsen im Keller sind, Immobilien in Städten sind mittlerweile fast unbezahlbar und die Börse ist auf einem Rekordhoch, so dass auch die Aktien entsprechend teuer im Einkauf sind. Sein Geld in der heutigen Zeit ist Geld anlegen harte Arbeit und die Anlage muss gut überlegt sein. Die meiste Rendite verspricht weiterhin die Börse, auch wenn die Kurse schon recht hoch sind. Durch den niedrigen Zins gehen immer mehr Anleger an die Börse und das lässt die Preise weiter steigen.

Dies ist die ganz einfache Rechnung, die viele Anlageberater derzeit aufmachen. Doch stimmt diese Einschätzung wirklich? Steigen die Kurse wirklich noch so sehr, dass sich ein Einstieg zum jetzigen Zeitpunkt lohnt? Anhand welcher Kennzahlen kann der Anleger denn sehen ob der Aktienkurs angemessen ist und noch nicht überhöht? Mit alle diesen Fragen müssen sich die Anleger derzeit beschäftigen, aber auch die Experten sind sich nicht ganz sicher. Viele sind sich derzeit in der Meinung einig, dass viele Aktienwerte zwar teuer sind, aber noch nicht zu teuer. Doch die Luft nach oben wird langsam knapp und so bilden sich schon Gerüchte über erste Blasen. Besonders die Multimedia Aktien stehen wieder im Fokus, was an die geplatzte Internetblase der 2000er Jahre erinnert. Besonders Facebook und Twitter stehen im Mittelpunkt, aber nicht weil ihre Aktienkurse in schwindelerregende Höhe schießen, sondern eher weil kaum ein Experte nachvollziehen kann welche Werte als Sicherheit im Hintergrund stehen.

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Wie kann ich als Anleger an der Börse Geld machen?

Diese Fragen scheint sich wie von selbst zu beantworten, denn schließlich steigt die Börse von Woche zu Woche. Doch so einfach wie es klingt ist es nicht. Aufgrund der hohen Kurse ist die „Fallhöhe“ für die Aktien sehr hoch. Man muss als Anleger also ständig die Börse und die Unternehmen hinter der Aktie im Blick behalten. Auch die aktuellen Nachrichten sollte man im Auge behalten, denn selbst kleine Nachrichten können große Auswirkungen auf den Aktienkurs eines Unternehmens haben. Man sollte also selbst Analysen anstellen und sich bei den Anlagewerten flexibel halten. Mal steigen Aktien einer Branche, mal die Aktien einer anderen Branche stärker, so sollte man entweder schnell handeln, oder eine ausgewogene Mischung im Depot haben.

Aktuelle Kurse im Dax

Fonds als Alternative zu Einzelwerte

Wem die Anlage in Einzelwerten zu riskant ist, oder wer sich nicht gut genug mit Aktien auskennt, für den ist die Anlage in Fonds eine gute Alternative. Allerdings gibt es mehr als 3000 Fonds allein in Deutschland. Jeder von ihnen ist individuell ausgestaltet und hat eine andere Anlagestrategie. Es empfiehlt sich einige interessante Fonds zu analysieren und zu schauen wie erfolgreich sie in den letzten Jahren gearbeitet haben. Besonders die Fonds, die ihre gesetzte Benchmark geschlagen haben und damit auch ihre Gebühren verdienen, sind richtig gute Fonds. Der besondere Vorteil ist die breite Risikostreuung, die einem Gewinne ermöglicht und das Verlustrisiko minimiert. Fonds haben in der jetzigen Zeit also ein gutes Potenzial für Geldanlagen.

Aktuelle Fondspreise

Paypal im Visier der Banken

Der Zahlungsverkehr ist für Banken ein heikles Gelände. Vieles haben Banken und Sparkassen in den vergangenen Jahren angekündigt und sind mit ihren Vorstellungen meist aber gescheitert. Da ist es nicht verwunderlich, dass man keine Informationen bekommt, wenn man entsprechende Anfragen stellt, wie es das „Manager Magazin“ gemacht hat. Grund der Anfrage sind Arbeiten, die deutsche Banken im verborgenen vornehmen. Sie wollen mit einem Großprojekt die bisherigen Versäumnisse aufholen und Boden gutmachen, gerade im Online Payment, was in den letzten Jahren total versäumt wurde. Gerade in diesem wichtigen Wachstumsmarkt haben sie den Anschluss verpasst.

Nutznießer der Versäumnisse ist das Technologie Startup Paypal. Innerhalb weniger Jahre ist das Unternehmen vom Nobody zum Marktführer in diesem gebührenträchtigen Geschäft geworden. Nach einer aktuellen Umfrage des E-Commerce-Center Köln hat Paypal im Jahr 2012 einen Marktanteil von 24 Prozent, was eine Verdopplung innerhalb von drei Jahren bedeutet. Der Bankenanbieter Giropay kommt auf einen niedrigen einstelligen Prozentwert. Sogar ein kleiner Wettbewerber aus Bayern, die „Sofort AG“ (Sofortüberweisung) hat deutlich mehr.

Diese Schmach gilt es auszumerzen und so setzen die Banken alles daran die Ebay Tochter Paypal herauszufordern. Aber anders als bei Giropay wollen dies aber nicht nur einzelne Institute, sondern die gesamte Branche beteiligt sich. Die Initiative ging anscheinend von den Großbanken aus, inzwischen sollen aber auch schon Sparkassen und Genossenschaftsbanken an dem Großprojekt beteiligt sein. Für das technische Knowhow ist die Beraterfirma Bain verantwortlich, die ein entsprechendes Ausschreibungsverfahren für sich entscheiden konnte. Auch der Handel soll mittlerweile über sein EHI Retail Institut indirekt beteiligt sein. Was die Kosten für dieses Großprojekt angeht schweigt man sich aus. Vertraut man den Zahlen von Experten, müssen die Banken einen dreistelligen Millionenbetrag in die neue Technik investieren.

In welche Richtung das Projekt zielt, sickerte mittlerweile durch. Im Mittelpunkt steht demnach die EC-Karte, mit der schon heute Millionen Kunden täglich an den Supermarktkassen zahlen. Als Onlinekunde kann diese allerdings derzeit noch nicht nutzen. Lediglich beim Onlinebanking kommt sie in Verbindung mit einem Kartenleser zum Einsatz. Genau in diese Richtung soll die Technik wohl auch zielen, denn eines ist besonders wichtig, die Technik muss einfach und praktikabel sein. Sollen die Banken ein Verfahren wählen was nicht einfach ist, ist die gesamte Arbeit umsonst, denn der Kunde wird dies vermutlich nicht annehmen.

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Nutzerfreundlichkeit als Schlüssel zum Erfolg

Wie einfach Zahlungen im Internet abgewickelt werden können macht Paypal beeindruckend vor. Nur wenige Klicks sind nötig und schon ist die Ware bezahlt. Genau auf diese Einfachheit beruht der Erfolg des Unternehmens. Der User muss sich einmalig anmelden, so dass Paypal quasi einen Zugriff auf sein Girokonto hat und dann kann der Kunden im sogenannten One-Klick-Verfahren bezahlen. Dies ist wirklich der geringste Aufwand der vorstellbar ist. Dieses System scheint einfach angreifbar zu sein, doch das Risikomanagement läuft reibungslos. Paypal schafft es bravurös den Geldtransfer zwischen Kunde und Händler sicher zu stellen und dies offenbar nur mit sehr wenigen Zahlungsausfällen.

Fraglich ist ob die Banken ein ebenso einfaches, wie effektives System auf die Beine stellen können. Die Banker sind diesbezüglich aber sehr zuversichtlich, denn sie sind überzeugt dass die Kunden lieber mit ihrer EC-Karte zahlen möchten, anstatt mit Paypal. Diese Hoffnung ist nicht unbegründet, schließlich ist die EC-Karte hierzulande deutlich beliebter als die Kreditkarte. Manche Kunden besitzen noch keine Kreditkarte.

Experten der Payment Branche haben allerdings große Zweifel an dem Erfolg des Banken Konsortiums. Ein Experte sagte gegenüber dem „Manager Magazin“: „Die Zeit der großen Industrielösungen ist vorbei. Neuerungen kommen heutzutage von kleinen, flexiblen Techfirmen – nicht von einem Konsortium, in dem es unterschiedlichste Interessen zu bündeln gilt.” Auch die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass diese pessimistische Einschätzung nicht von ungefähr kommt. Auf die Marktdurchdringung von Giropay sind wir kurz eingegangen und auch Girogo, ein System zum kontaktlosen Bezahlen, tut sich sehr schwer. Einzig die EZB kann den Banken noch helfen. Sie hat klare Empfehlungen ausgesprochen für mehr Sicherheit im Onlinehandel. Genau diese Empfehlungen könnten das One-Klick-System gefährden. Anscheinend möchte man sich nicht unbedingt dem Wettbewerb stellen, sondern lieber als Lobby dem Marktführer gefährlich werden.

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Pharmaaktien – defensiv, langweilig, erfolgreich

Die Aktien von Pharmakonzernen gehören zu den Überfliegern des momentanen Börsenhypes. Dabei sind die Aktien alles andere als schnelllebig, sie gelten als langweilig und sehr defensiv. Da kommt die Fokussierung auf Biotech ganz recht um den Kurs der Aktien zu steigen und die Aktien auch in Bewegung zu halten, damit sie weiterhin kerngesund bleibt. In dieser Woche gab es zumindest wieder gute Nachtrichten für die Branche, denn Roche, Novartis, Bayer und Merck weisen stetig steigende Kurse vor und erreichen sogar Allzeithochs.

Der Erfolg der Aktien und der Konzerne ist allerdings kein Zufall, sondern ein langer Prozess, der sich nun auszahlt. Zwar profitieren die Aktien vom allgemeinen Börsenboom, der nicht zuletzt durch den Niedrigzins der EZB getrieben wird, es steckt allerdings noch viel dahinter. In den vergangenen Jahren musste die Branche viele Veränderungen durchleben. So wurden Kosten gesenkt, Geschäftsmodelle neu gestaltet, sowie Abläufe und Forschungsaktivitäten optimiert. Vor allem aber hat der Biotech Sektor den Markt zusätzlich beflügelt. Im Kampf gegen Krankheiten erweisen sich die biologischen Antikörper häufig als effektiver, als die traditionelle Konkurrenz der anorganischen Chemie.

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Übernahmen an der Tagesordnung

Der Biotech Boom führt zu immer mehr Übernahmen in der Branche. Konzerne wie Roche und Novartis wollen an dem Boom teilhaben und suchen nach entsprechenden Kooperationen, oder schlucken gleich komplette Firmen. Auch in den USA gibt es einen entsprechenden Trend, der nicht zuletzt durch Konzerne wie Celgene und Gilead befeuert wird, die an der Börse durchgestartet sind. In den vergangenen Jahren gab es bereits mehrere Milliardendeals und auch in der vergangenen Woche wurde wieder ein Milliarden Deal bekannt. Für 4,2 Milliarden Dollar übernimmt der britische Arzneimittelhersteller Shire die US Firma ViroPharma.

Die deutschen Hersteller mischen beim Thema Biotech natürlich auch kräftig mit. Branchenprimus Bayer zum Beispiel verfügt über gut 100 Partner in diesem Sektor. Dutzende dieser Kooperationen haben die Leverkusener in den vergangenen Jahren geknüpft. Deutschlands drittgrößter Pharmakonzern Boehringer Ingelheim ist nicht an der Börse notiert, verzeichnet aber sehr gute Zahlen und ein stetiges Wachstum. Es vor kurzem teilte der Konzern mit, dass die Bruttowertschöpfung im Schnitt um mehr als 7 Prozent im Jahr gestiegen ist.

Die Arzneimittelkonzerne zeigen nicht umsonst sehr viel Aktionismus. Zwar verfügen sie über sehr viele Medikamente, die ihnen regelmäßig Umsätze in Milliardenhöhe bescheren, die Patente für die Preparate laufen aber auch irgendwann aus, was Generika Spezialisten wie Stada dann nutzen um den Erlös schlagartig abzugrasen. Daher arbeiten die erfolgreichen Pharmafirmen stets an neuen Umsatzträgern.

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Zukunft der Aktien ungewiss

Prognosen der Entwicklung an der Börse sind nicht einfach. Experten meinen gar, dass die Aktien schon jetzt überbewertet sind, andere Analysten räumen den Aktien allerdings noch weitere Chancen ein. Norbert Janisch, Fondsmanager und Pharmaexperte von Raiffeisen Capital Management (RCM) sagte gegenüber dem „Manager Magazin“: „Viele der Unternehmen haben in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Produkte auf den Markt gebracht, die die Umsätze gesteigert und damit zum Erfolg der Aktien beigetragen haben. Weiter aufwärts geht es mit den Papieren künftig nur, wenn auch weitere Nachrichten aus der Produktpipeline folgen.”

Entscheidend für den Kurstrend wird wohl der US Markt sein, denn hier können neue und innovative Arzneimittel mit einem höheren Preis abgesetzt werden als in Europa, wo das Preisniveau stetig sinkt. Wer auf der Suche nach der richtigen Aktie zur Geldanlage in der Pharmabranche ist, sollte die Firmen genau unter die Lupe nehmen. Wichtig ist vor allem, dass der Erfolg oder Misserfolg nicht nur von einem einzigen Produkt abhängt.

Ein Beispiel wie man sein Geld schnell verlieren kann, ist die Aktie des US-Konzern Aread Pharmaceuticals. Onkologiespezialisten hatten ein aussichtsreiches Medikament am Markt, woraufhin der Kurs der Aktie auf 25 Dollar stieg. In einer Studie scheiterte das Präparat aber und die Aktie ging auf Talfahrt. Derzeit kostet die Aread Aktie nur noch rund 2,40 Dollar.

Twitter legt einen guten Börsenstart hin

Lange Zeit haben die Börsianer auf den Tag gewartet, an den Twitter an die Börse geht. Aus einer Idee aus dem Silicon Valley ist nun wieder ein erfolgreiches Börsenunternehmen geworden. Twitter bietet viel was Investoren an einem Unternehmen mögen. Das Unternehmen ist sehr schnell gewachsen und erreicht sehr viele Menschen. Nach neusten Schätzungen nutzen derzeit 230 Millionen Menschen den Kurznachrichtendienst, über den man Nachrichten (genannt Tweets) lediglich in einer Länge von 140 Zeichen versenden kann. Das ernannte Ziel des Vorstandchefs Dick Costolo ist es, dass jeder Mensch mit Internet Twitter nutzen soll.

Experten waren sehr überrascht über den ersten Kurs der Aktie an der New Yorker Börse. Dieser betrug 45,10 Dollar, was gegenüber den Ausgabekurs von 26 Dollar ein Plus von rund 70 Prozent bedeutet. Dies ist der wohl erfolgreichste Börsengang in der letzten Zeit. Twitter sammelte so rund 1,8 Milliarden Dollar ein, was nur noch von Facebook übertroffen wurde, wenn man nur auf die Internetbranche schaut. Doch auch gegenüber Firmen anderer Branchen schlägt sich Twitter sehr gut. So hat sie nun bereits einen Firmenwert, der ähnlich hoch ist wie der von Alcoa (Aluminiumkonzern) oder Adidas (Sportartikelhersteller).

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Skepsis nach dem Börsenstart

Viele Experten waren verwundert über den sehr fulminanten Börsenstart von Twitter und einige vermuteten auch gleich irgendwelche Manipulationen. Dass bei dem Börsenstart alles mit rechten Dingen zuging ist erwiesen, wodurch man den Kursgewinn nur auf die sehr erfolgreiche Marktstrategie zurückführen kann.

Zudem sind die Investmentbanken nicht ganz schuldlos an dem guten Börsenstart, denn sie haben alles unternommen um einen ähnlich schlechten Start wie den von Facebook zu vermeiden. Beim Börsenstart von Facebook im vergangenen Jahr ist der Kurs bereits am ersten Tag schon unter den Ausgabepreis gesunken und sorgte so für eine wahre Blamage. Damals hatten sich Goldman Sachs und Morgan Stanley geschworen nie wieder so etwas erleben zu wollen. Großinvestoren, wie etwa Fondsgesellschaften, hatten den Preis im vorbörslichen Verkauf nicht zu sehr in die Höhe getrieben und sorgten so für eine niedrige Preisspanne.

Was auch für den gute Start sprach sind vergleichsweise wenig ausgegebene Anteilsscheine, die auf eine recht große Nachfrage stießen. Das Resultat kann da nur ein Kursgewinn sein. Dies war auch genau so gewollt, denn die Firmengründer und einige Risikokapitalgeber halten einen großen Teil der Anteile und haben das Interesse den Wert wenigstens zu halten.

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Ob diese Rechnung auf Dauer aufgeht wird sich noch zeigen. Internetfirmen sind immer schwierig zu bewerten und sind daher immer eine recht riskante Anlage, selbst für erfahrene Börsianer. Problematisch bei Twitter ist vor allem, dass das Unternehmen seit seiner Gründung im Jahr 2006 noch kein Geld verdient hat. Es sind sogar genau genommen Schulden in einem Gesamtwert von 300 Millionen Dollar zusammen gekommen. Dies bedeutet unter dem Strich, dass Twitter sogar ums Überleben kämpft, trotz steigender Nutzer und Werbeeinnahmen. Investoren ließen sich vermutlich durch den Namen oder den Gewinnprognosen blenden, oder sie glauben einfach an eine erneute Erfolgsgeschichte, wie sie nur das Silicon Valley schreiben kann.

Leitzins auf Rekordtief

Am Donnerstag haben die Notenbanker der EZB einen weiteren Schritt zur Belebung der Wirtschaft in der Eurozone unternommen. Der Leitzins wurde auf das Rekordtief von 0,25% gesenkt. Damit können sich die Geschäftsbanken so günstig Geld bei der Zentralbank leihen wie noch nie. Damit kommt die EZB den Wunsch vieler Experten nach, die aufgrund der niedrigen Inflation von 0,7 Prozent im Oktober eine weitere Lockerung der Geldpolitik gefordert hatten. Mit diesem Schritt kann die Zentralbank eine deflationäre Entwicklung verhindern.

Bei den Finanzexperten rief dieser Schritt ein geteiltes Echo hervor. Der Dax machte zeitweise einen recht hohen Sprung nach oben, auf 9162 Punkte. Der Euro sank im Vergleich zum Dollar dagegen auf 1,33 Dollar. Manche Volkswirt befürchten nun die Erlahmung des Reformeifers, was auch zu der Bildung einer Blase führen kann. Zudem fürchten sie schon jetzt, dass diese Maßnahme vom Sparer nicht akzeptiert wird. Denn nicht nur die Zinsen auf Kredite könnten sinken, sondern auch die Zinsen für Spareinlagen. Manch ein Volkswirt war von der Entscheidung der EZB sogar komplett überrascht, denn dies ließ sich nicht unbedingt aus den Kommentaren mancher EZB Mitglieder ablesen.

Mario Draghi ließ sogar noch weitere Schritte durchblicken. Bei der Verkündung der Zinssenkung betonte er, dass man mit den Möglichkeiten noch nicht am Ende sei. Er sagte: „Wir haben die Untergrenze noch nicht erreicht und könnten den Zins grundsätzlich weiter senken.“ Zudem betonte er, dass die EZB bereit sei alle zur Verfügung stehenden Instrumente einzusetzen. Eine Möglichkeit ist die Neuauflage der langfristigen Kreditlinien für Banken. Dieses Thema wurde auf der letzten Sitzung allerdings nicht besprochen.

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Aktien sind die Gewinner

Nachdem der Leitzins nun noch weiter gesenkt wurde, werden die Sparer allmählich nervös. Gerade sie fürchten nun weitere Einschnitte bei ihren Spareinlagen und müssen sich nun eventuell doch auf andere Investments einlassen. Große Gewinner könnten die Aktienanleger sein, bzw. werden. Schon jetzt profitieren sie und können hohe Gewinne einstreichen. Der Dax befindet sich derzeit auf einem Rekordhoch und kann noch weiter steigen, da einige Branchen von den niedrigen Zinsen profitieren können.

Auch wenn der Dax schon sehr hoch steht und der Einstieg daher teuer und riskant ist, kann es sich noch lohnen. Etwas sicherer sind da natürlich Fonds, da sie eine breitere Risikostreuung haben. Wenn die Börse allerdings in die Knie geht, sind auch sie nicht von Verlusten verschont. Als konservativer Anleger ist es momentan sehr schwer sein Geld ordentlich anzulegen.

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Greenspan zweifelt an der Zukunft des Euro

Alan Greenspan ist ein ausgewiesener Profi in der Finanzwelt. Der langjährige Chef der US-Notenbank äußerte sich äußerst kritisch bezüglich der weiteren Leitzinssenkung durch die EZB. Er äußerte gegenüber der „Welt am Sonntag“, dass der Euro nur gerettet werden kann, wenn es eine politische Union gibt. Er ist der festen Meinung, dass es keine stabile Währung geben kann, wenn die aus 17 unterschiedlichen Wirtschafts- und Sozialsystemen gebildet wird. Er sagt weiterhin: „Die Euro-Zone braucht eine vollständige politische Union, entweder von allen Staaten oder nur von einem Kerneuropa. Das ist der einzige Weg, wenn die Euro-Zone nicht auseinanderfliegen soll.“ Glauben tut er aber an einen solchen Schritt nicht.