Bundesanleihen sind nicht mehr gefragt

In diesen Tagen wurde wieder einmal Geschichte in Deutschland geschrieben. Bei der fünften Auktion in Folge sind erneut nicht alle Anleihenserien des Bundes verkauft worden. Am gestrigen Mittwoch wurden lediglich 1,5 Milliarden Euro von den Banken geboten. Geplant war ein Volumen von 2 Milliarden Euro für im Jahr 2046 fällige Anleihen abzusetzen.

Der auszugebende Titel hat einen Zinscoupon von 2,5 Prozent. Erstmals wurde er im Februar 2014 angeboten und könnte seitdem noch nicht vollständig ausgegeben werden. In den fünf Auktionen dieser Serie wurden Anteile im Wert von über 11 Milliarden Euro angeboten, bislang wurden aber lediglich 9,1 Milliarden Euro angefragt.

Es ist davon auszugehen, dass die Investoren sich wegen der niedrigen Rendite zurück halten. Derzeit liegt die Durchschnittsrendite auf dem Marktniveau von 1,18 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) darf diese Bundesanleihe erst ab August 2015 erwerben, was an den Bedingungen zum EZB Kaufprogramm liegt. Hiernach darf die EZB nur Papiere mit einer maximalen Laufzeit von 31 Jahren betragen. Diese im Februar 2014 aufgelegte Bundesanleihe hatte eine Laufzeit von mehr als 32 Jahren und wird im August 2046 fällig. Sollten die Zinsen in dieser Zeit ansteigen, wovon aufgrund der langen Laufzeit auszugehen ist, erleiden die Anleger einen Kursverlust. Die Investoren sind nicht bereit ein solches Risiko bei einer so geringen Rendite einzugehen.

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Bildquelle: © RainerSturm / pixelio.de

Dispo Zinsen sind eine gute Einnahmenquelle

Seit einer gefühlten Ewigkeit erleben wir eine Niedrigzinsphase. Es gibt inzwischen kaum noch Zinsen auf Sparkonten, Tagesgelder und Staatsanleihen, ja selbst die Zinsen für den Wohnungsbau sind so niedrig wie nie. Da reiben sich manche Bankkunden verwundert die Augen wenn sie einen Blick auf die Zinsen für den Dispositionskredit (Dispo) werfen. Bei vielen Banken steht der Dispokredit noch immer im zweistelligen Bereich, was die Banken und Sparkassen aber auch sehr gut argumentieren können. Einer der Hauptargumente ist, dass der Dispo ja kein dauerhafter Kredit ist und somit nicht mit einem Ratenkredit oder Hypothekendarlehen vergleichbar sei. Da er außerdem sehr kurzfristig nutzbar ist, ein Kredit ist der ohne Sicherheiten ausgegeben wird und nur in den wenigsten Fällen eine Prüfung erfolgt, müssen sich diese Umstände in den Zinsen widerspiegeln.

Viele Experten vermuten allerdings, dass Banken und Sparkassen deswegen hohe Zinsen für den Dispo verlangen, weil die Zinsen gezahlt werden. Nur wenige Kunden beschweren sich über die Zinsen, denn schließlich sind sie auf die unkomplizierte Finanzspritze angewiesen und werden die Bank nicht wechseln nur weil sie „nebenan“ weniger Zinsen für den Dispo zahlen müssen. Der Dispo ist somit eine unkomplizierte Einnahmequelle, die mehr oder weniger gerne vom Kunden gezahlt wird.

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Bildquelle: © Tim-Reckmann / pixelio.de

Die Politik will regulierend eingreifen

Die Politik hat den Dispositionskredit schon länger als Thema auf der Agenda, denn mit einer gelebten Ungerechtigkeit kann man ganz einfach auf Wählerfang gehen. Doch alle Drohungen, regulierend einzugreifen wenn sich nicht bald etwas ändert, änderten nicht. Auch das Einschalten des Kartellamtes führte keine Änderung herbei und so fragt man sich, warum die Politik hier nicht wirklich aktiv wird und seine Versprechen einlöst.

Am Mittwoch will nun Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) einen erneuten Gesetzentwurf ins Kabinett einbringen. Der Entwurf sieht vor, dass alle Banken und Sparkassen ihre Dispozinsen im Internet veröffentlichen müssen. Zwar kommen dem bereits die meisten Kreditinstitute freiwillig nach, doch gerade kleine regionale Institute tun dies nicht immer, ganz besonders wenn sie hohe Zinsen veranschlagen. Man erhofft sich davon, dass man die Dispozinsen vergleichbar machen kann, ähnlich wie es bei Tagesgeldern problemlos möglich ist. Die gesteigerte Transparenz könnte den Wettbewerb zwischen den Banken anheizen, so dass die Zinsen durchaus auch sinken könnten.

Ob damit eine konsequente Lösung gefunden ist, bleibt zu bezweifeln, denn wie bereits erwähnt, veröffentlichen bereits viele Banken und Sparkassen ihre Dispozinsen und lassen somit Vergleiche zu. Man erreicht lediglich eine vollständige Transparenz, aber ob daraus mehr Wettbewerb oder sinkende Zinsen entstehen bleibt abzuwarten.

Bei angestrebten Vergleichen muss man zudem viele weitere Faktoren berücksichtigen und nicht nur den eigentlichen Zinssatz. Einige Banken und Sparkassen bieten bereits Kontomodelle, bei denen die monatliche Grundgebühr höher ist und dadurch die Zinsen dadurch niedriger. Andere verzichten sogar auf Dispozinsen, begrenzen den Kreditbetrag aber konsequent. Internetbanken, wie etwas die ING-Diba, die DAB Bank oder die DKB haben bereits niedrige Dispozinsen, die bei 7,5 Prozent liegen.

Regionale Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben inzwischen fast flächendeckend die Überziehungszinsen angeschafft. Der Extrazins für die Überziehung des Dispos war vielen Verbraucherschützern schon lange ein Dorn im Auge. Einen gewissen Teilerfolg konnte man also bereits erzielen.

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Teilerfolge wurden bereits erzielt

Im vorigen Jahr lobte die Stiftung Warentest die Bank bereits. Die Dispozinsen wurden bei vielen Banken bereits deutlich gesenkt, allerdings vergaß man auch nicht einen Hinweis auf die niedrigen Leitzinsen zu geben. Zweistellige Zinsen auf Dispositionskredite sind noch immer nicht nachvollziehbar und sollten auch zukünftig geprüft werden.

Mit der Forderung von Verbraucherschützern, den Dispozins zu deckeln, konnte man sich politisch noch nicht durchringen. Deckelungen von sieben oder gar fünf Prozent scheiterten zuletzt am Widerstand der Union.

Es wird daher geplant, die Banken und Sparkassen zu verpflichten, Kunden zu warnen, wenn sie längere Zeit ins Minus gerutscht sind. Man solle diesen Kunden eine günstige Alternative bieten, etwa einen Ratenkredit mit günstigeren Zinsen. Man denkt derzeit an eine Zeitgrenze von drei Monaten in der der Dispo in Anspruch genommen wird oder eine Koppelung an den Gehaltseingang. Die ING-Diba hat dies bereits umgesetzt und geht aktiv auf ihre Kunden zu. Die Commerzbank hat sich entschlossen, zusätzliche Warnhinweise auf die Kontoauszüge zu drucken. Wenn die Erfahrungen der Vorreiten positiv ausfallen, werden auch andere Banken nachziehen.

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Verbesserter Schutz für Kleinanleger

Der sogenannte graue Kapitalmarkt birgt noch immer hohe Risiken für Kleinanleger. Pleiten, wie die des Windkraftunternehmens Prokon, verdeutlichen dies eindrucksvoll. Das Unternehmen hatte von rund 75.000 Anlegern 1,4 Milliarden Euro eingesammelt, ehe es im Jahr 2014 Insolvenz anmelden musste. Nun drohen den Anlegern sehr hohe Verluste.

Privatleger sollen über Chancen und Risiken von Geldanlagen besser und umfangreicher informiert werden. So sieht es quasi im Kern eines neuen Gesetzes aus, welches vom Bundestag verabschiedet wurde. Dabei geht es nicht nur um neue Anforderungen an die Verkaufsprospekte von Banken und Versicherungen, insbesondere Anlagen die nicht von Banken und Versicherungen vertrieben werden sollen umfangreicher kontrolliert werden. Die Prospekte müssen zudem mehr Informationen zum Anbieter der Anlage enthalten und stets aktuell gehalten werden, die sogenannte Nachschuss-Pflicht wird verboten. Auch die Rechte der Finanzaufsicht BaFin werden gestärkt, sie darf Warnungen zu bestimmten Anlagen veröffentlichen oder sogar einzelne Produkte verbieten. Zudem ist es ihr gestattet Werbung für bestimmte Finanzanlagen zu beschränken.

Die Politik ist mit der neuen Regelung sehr zufrieden und bekräftigt damit ihr Vorhaben die Verbraucher besser zu schützen. Man fordert aber auch weiter den eingeschlagenen Weg zu gehen und eine Art Finanz-TÜV einzuführen. Dieser soll dann die Angebote vorab prüfen und dafür Sorge tragen, dass keine windigen Produkte auf den Markt kommen.

Bei dem verabschiedeten Gesetz gibt es allerdings eine Ausnahme, nämlich Schwarmfinanzierung (Crowdfunding) die über Internetportale vertrieben werden. Zwar besteht keine umfassende Prospektpflicht, ein Informationsblatt für Finanzanlagen muss aber dennoch zur Verfügung gestellt werden.

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Lohnt sich die Betriebliche Altersvorsorge?

Um im Alter nicht nur von einer eventuell niedrigen Rente leben zu müssen, sorgen Millionen Deutsche bereits privat vor. Doch der Markt an Altersvorsorgeprodukten unterschiedlicher Anbieter ist groß und damit zum Teil unübersichtlich. Neben der Riester Rente erfreut sich besonders die betriebliche Altersvorsorge großer Beliebtheit. Seit 2002 hat jeder Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch darauf, doch sie lohnt sich nicht für Jeden.

Die betriebliche Altersvorsorge ist im klassischen Sinne eine freiwillige Leistung des Arbeitsgebers. Der ursprüngliche Gedanke war, dass man mit dieser Versicherung den Arbeitnehmer an den Betrieb bindet. Diese Versicherung hat dich allerdings im Laufe der Jahre gewandelt, so dass in den meisten Fällen alles vom Arbeitnehmer finanziert wird, die sogenannte Entgeltumwandlung. Es gibt aber auch Mischformen, an denen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber beteiligen.

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Was ist die Entgeltumwandlung und wie funktioniert sie?

Arbeitnehmer haben bei der Entgeltumwandlung die Möglichkeit, Teile des Gehaltes oder der Sonderzahlung (z.B. Weihnachtsgeld) in Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge umzuwandeln. So kann man sich ohne großen Aufwand eine zusätzliche Rente aufbauen. Gesetzlichen Anspruch auf die betriebliche Altersvorsorge durch Entgeltumwandlung hat seit 2002 jeder Arbeitnehmer, der durch die gesetzliche Rentenversicherung versicherungspflichtig ist.

Wichtig bei der Entgeltumwandlung ist, dass die Beiträge für die Versicherung aus dem Bruttolohn umgewandelt werden. Im Gegensatz zu anderen Versicherungen zahlt man daher nicht vom ausgezahlten Lohn, sondern überlässt einfach seiner Firma die Überweisung der Beiträge. Diese entscheidet allerdings auch ob die Beiträge intern angelegt werden, oder bei einer Direktversicherung, oder in einem Pensionsfonds. Letztlich bleibt aber der Vorteil für den Arbeitnehmer, dass er Steuern und Sozialabgaben spart. Da die Beiträge vom Bruttolohn abgezogen werden, finanziert der Staat die Beiträge indirekt mit. Ein übliches Berechnungsbeispiel besagt, dass bei einem Beitrag von 100€ der Arbeitnehmer rund 60 Euro zahlt, den Rest übernimmt der Staat.

Allerdings ist die Zahlung vom Bruttolohn nicht nur von Vorteil. Durch den niedrigeren Bruttolohn zahlt man auch weniger Steuer und gesetzliche Sozialabgaben. Daraus ergibt sich, dass der Arbeitnehmer auch geringere Ansprüche an die gesetzliche Rentenversicherung hat. Es muss also errechnet werden, ob die entstehenden Einbußen durch die Versicherung ausgeglichen werden. Man muss auch wissen, dass die Einzahlungen im Rentenalter versteuert werden müssen und dass auf die Auszahlung der betrieblichen Altersvorsorge der volle Beitrag an Kranken- und Pflegeversicherung gezahlt werden muss.

Unter dem Strich muss man sagen, es kommt umso mehr auf eine detaillierte persönliche Beratung mit einer Modellberechnung für das Rentenalter an. Die betriebliche Altersvorsorge lohnt sich nicht für jeden, ist aber eine absolut sinnvolle Ergänzung wenn alle Rahmenbedingungen stimmen.

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