Kategorie-Archiv: Anleihen

Deutscher Zertifikatemarkt schrumpft

Das niedrige Zinsvolumen setzt dem deutsche Zertifikatemarkt ordentlich zu. Im April sank das Marktvolumen mit 75,2 Milliarden Euro auf seinen niedrigsten Stand seit April 2005. Selbst die Insolvenz der Zertifikatsanbieters Lehman Brothers im Herbst 2008 hatte das Marktvolumen nicht so weit sinken lassen. Gerade das Segment der strukturierten Anleihen (Zertifikate mit regelmäßiger Zinsausschüttung) verliert zunehmend an Attraktivität. Dieses Segment machte bislang deutlich mehr als die Hälfte des Gesamtmarktes aus, ihr Anteil ist aber bereits auf rund 38 Prozent gefallen.

Mit einem weiteren deutlichen Rückgang in dieser Produktkategorie wird bereits von Experten gerechnet. Betrachtet man den Martführer, die Deutsche Bank, sieht man dass in den nächsten Monaten einige Papiere mit hohem Volumen auslaufen, es aber an adäquaten Nachfolgeprodukten mangelt. Andere Emittenten haben ganz ähnliche Probleme. Die meisten der fälligen Produkte haben eine Laufzeit von 5 Jahren, den Kunden konnte damals ein Zins von über drei Prozent geboten werden. Schaut man auf den heutigen Markt, findet man Papiere mit einer Verzinsung von unter einem Prozent. Es ist daher nicht verwunderlich wenn die Kunden ihr Geld vorerst auf dem Girokonto parken und abwarten wie sich der Markt entwickelt. Auch die Kapitalschutzzertifikate, bei denen der Kunde sein Kapital garantiert zurück erhält und seine Rendite ausschließlich aus der Entwicklung des Aktienindexes bezieht, finden heutzutage kaum noch Beachtung.

613676_web_R_K_by_Kirsten Fischer_pixelio.de

Bildquelle: © Kirsten-Fischer / pixelio.de

Doch wie sollte man anlegen?

Der Trend geht zurück zu einfachen Produkten. Während der Zertifikatemarkt binnen eines Jahres um fast 20 Prozent nachgelassen hat, hat der Aktienmarkt um knapp 20 Prozent zugelegt. Wie bereits eingangs erwähnt, sind die strukturierten Anleihen der große Verlierer dieser Entwicklung. Bonitätsanleihen, Aktienanleihen, Express- und Discountzertifikate konnten hingegen Zuwächse verzeichnen.

Indexzertifikate haben zwar ebenfalls leicht nachgelassen, sind aber ein einfacher und günstiger Klassiker, den Anleger gerne nutzen. Einige Indexzertifikate verfolgen allerdings neue Strukturen und neue Basiswerte, so dass Anleger in neue Regionen und Anlageklassen problemlos investieren können. Doch nicht alle dieser neuen Anlagen versprechen den gewünschten Erfolg und so geht der Trend wohl weiterhin zur Einfachheit.

310691_web_R_B_by_Cornerstone_pixelio.de

Bildquelle: © Cornerstone / pixelio.de

Bundesanleihen sind nicht mehr gefragt

In diesen Tagen wurde wieder einmal Geschichte in Deutschland geschrieben. Bei der fünften Auktion in Folge sind erneut nicht alle Anleihenserien des Bundes verkauft worden. Am gestrigen Mittwoch wurden lediglich 1,5 Milliarden Euro von den Banken geboten. Geplant war ein Volumen von 2 Milliarden Euro für im Jahr 2046 fällige Anleihen abzusetzen.

Der auszugebende Titel hat einen Zinscoupon von 2,5 Prozent. Erstmals wurde er im Februar 2014 angeboten und könnte seitdem noch nicht vollständig ausgegeben werden. In den fünf Auktionen dieser Serie wurden Anteile im Wert von über 11 Milliarden Euro angeboten, bislang wurden aber lediglich 9,1 Milliarden Euro angefragt.

Es ist davon auszugehen, dass die Investoren sich wegen der niedrigen Rendite zurück halten. Derzeit liegt die Durchschnittsrendite auf dem Marktniveau von 1,18 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) darf diese Bundesanleihe erst ab August 2015 erwerben, was an den Bedingungen zum EZB Kaufprogramm liegt. Hiernach darf die EZB nur Papiere mit einer maximalen Laufzeit von 31 Jahren betragen. Diese im Februar 2014 aufgelegte Bundesanleihe hatte eine Laufzeit von mehr als 32 Jahren und wird im August 2046 fällig. Sollten die Zinsen in dieser Zeit ansteigen, wovon aufgrund der langen Laufzeit auszugehen ist, erleiden die Anleger einen Kursverlust. Die Investoren sind nicht bereit ein solches Risiko bei einer so geringen Rendite einzugehen.

337156_web_R_K_B_by_RainerSturm_pixelio.de

Bildquelle: © RainerSturm / pixelio.de

Mittelstandsanleihen schlechter als ihr Name

Der Mittelstand ist der Motor der deutschen Wirtschaft. Er steht für Zuverlässigkeit und stetigen Wachstum. Es galt daher als sehr gute Idee, als von drei Jahren die Mittelstandsanleihen auf den deutschen Aktienmarkt kamen. Bisher wurden nach Angaben des Bonitätsprüfers Scope Ratings 145 Schuldtitel von 127 Unternehmen von rund 5,6 Milliarden Euro auf den Markt gegeben. Das große Problem dieses Segments ist es, dass viele Insolvenzen den Markt überschatten. Der wohl bekannteste Fall ist der Windparkentwickler Windreich. Zudem mussten der Abfallverwerter FFK und der Onlinehändler Getgoods Zahlungsprobleme einräumen.

Experten sprechen aufgrund dieser Entwicklung mittlerweile sogar von einem Etikettenschwindel, der mit dem Wort „Mittelstand“ betrieben wird. Als das Marktsegment vor drei Jahren an der Börse Stuttgart und später an weiteren Börsen, u.a. Düsseldorf und Frankfurt, aufkam, rückte es sofort in den Mittelpunkt und kam zu Erfolg. Hätte es nicht den Namen Mittelstandsanleihen getragen, wären sie vermutlich nie so erfolgreich geworden, behaupten sie weiter. Manch einer von ihnen spricht gar von Schrottanleihen, in Anlehnung an den angelsächsischen Begriff „Junk Bonds“, doch selbst diese Anlageklasse hat sich besser entwickelt als die Mittelstandsanleihen. Scope hat 14 der rund 127 deutschen Emittenten als „Default“ bewertet. Dies bedeutet, dass sie insolvent sind, sprich ihre Zinsen nicht bedienen oder sie restrukturieren ihre Anleihen. Insgesamt sind derzeit 16 Anleihen in einem Gesamtwert von 650 Millionen Euro betroffen. Dies entspricht rund 12 Prozent des Marktvolumens.

Die europäischen Junk Bonds haben im Vergleich dazu eine Ausfallquote von gerade mal 2,2 Prozent, wie Standard & Poor´s für das Jahr 2012 errechnet hat. Bei den Junk Bonds handelt es sich um Emittenten aus dem nicht mehr investitionswürdigen Bereich, was dem Ratingspektrum BB+ und schlechter entspricht. Diese Anleihen nennt man auch High Yield Bonds, da sie über eine überdurchschnittlich hohe Verzinsung verfügen. Das hohe Risiko wird durch die hohe Rendite ausgeglichen.

658101_web_R_K_by_lichtkunst.73_pixelio.de Bildquelle: © lichtkunst.73/pixelio.de

Investoren gehen keine hohen Risiken ein

Wenn man ein Zwischenfazit über die Entwicklung der Mittelstandsanleihen ziehen möchte, würde dieses sehr ernüchternd ausfallen. Dies ist wiederum nicht gut, weil der Markt dem Mittelstand helfen könnte. Es bietet eine sehr gute Alternative zum Bankkredit, zumal die Banken in Zukunft die Vergabekriterien verschärfen werden. Die Banken müssen in Zukunft ihre vergebenen Kredite mit mehr Eigenkapital unterlegen und werden ihre Prüfkriterien für Kredite entsprechend anpassen müssen.

Sven Janssen von der Frankfurter Investmentbank Close Brothers Seydler sagte gegenüber der „FAZ“: „Seit Anfang des Jahres beobachten wir, dass die Investoren bei Mittelstandsanleihen ihre Bedingungen verschärfen.“ Die Investoren sind offensichtlich vorsichtiger geworden und schauen nicht mehr nur auf die hohen Zinssätze von acht Prozent und mehr. Sie interessieren sich auch für die Mittelverwendung und die höhere Besicherung. Dies wiederum begrüßen viele Experten, denn der Markt kann dadurch reifen.

Angesichts der Niedrigzinsen durch die EZB könnten viele Anleger auch bald Überlegungen anstellen, warum ein Unternehmen sich mit vergleichbar hohen Zinsen refinanzieren muss. Angesichts des bestehenden Risikos scheinen die Banken höhere Kreditzinsen zu verlangen, als es bei anderen Unternehmen üblich ist. Im kommenden Jahr werden laut Scope wieder einige Anleihen fällig, darunter unter anderem eine Anleihe von Air Berlin mit einem Wert von 150 Millionen Euro.

SONY DSC Bildquelle: © Bernd-Kasper/pixelio.de

Sind Aktien attraktiver als Anleihen?

Die Turbulenzen auf den Finanz- und Aktienmärkten der letzten Monate haben viele Anleger verunsichert, einerseits wollen sie ihr Geld sicher anlegen, andererseits soll die Rendite natürlich möglichst groß sein. Goldman Sachs, eine führende wenn auch umstrittene amerikanische Investmentbank, hat jetzt in einer Analyse herausgearbeitet, dass Aktien derzeit die weitaus besserer Wahl sind. Zwar gibt es viele Gründe, die gegen einen Kauf von Aktien sprechen, denkt man an die sich derzeit abzeichnende bzw. in einigen Ländern bereits eingetretene Rezession, aber noch viel mehr Argumente gibt es gegen den Erwerb von Anleihen.

Sind Aktien attraktiver als Anleihen? weiterlesen

Griechenland Anleihen

In den vergangengen Tagen sind die Risikoaufschläge für griechische Anleihen stark gestiegen. Siehe den Chart bei Bloomberg. Sehr extrem sind besonders 2 jährige Anleihen, diese werfen Renditen über 25% p.a. ab. Da wittert so mancher eine Einstiegschance, besonders wenn Fondmanager schon früh eingestiegen sind:

Video: Value Investor Hendrik Leber kauft Griechenland Anleihen

Vor einigen Tagen hat dazu blicklog.com einen sehr guten Artikel zum Thema griechische Anleihen, mit der Überschrift Flächendeckende Verwirrung bei Diskussion um einen Schuldenschnitt Griechenlands, verfasst. Erst wollte er “Volksverdummung” statt “Verwirrung” schreiben, was aus der URL hervorgeht, hat sich später aber wohl doch umentschieden ;-). Aus der Renditetabelle vom blicklog.com lässt sich entnehmen, dass der Markt aktuell von einem Haircut (Schuldenschnitt) über ca. 50% ausgeht (ISIN: GR0118012609). Wenn man jedoch bedenkt, dass Argentinien oder Russland einen Haircut von 80% hinter sich haben, dann ist die Frage ob es wirklich eine sichere Sache ist?

Generell sollte man sich bei einem Einstieg in Staatsanleihen von Griechenland fragen ob es überhapt (besonders für ein Land wie Griechenland) möglich ist solche hohen Zinsen zurückzuzahlen…

Andere Griechenland Anleihen:

WKN: A0T6US – 20.03.12 – Rendite: 28,41% p.a.

WKN: 276701 -11.01.14 – Rendite: 25,99% p.a.

Die Rendite wurde am 27.4.2011 berechnet und stellt natürlich übernehmen wir für diese Angaben keine Gewähr. Auch ist der Artikel nicht als Handlungsaufforderung zu verstehen. In einem Investment stecken erhebliche Risiken, besonders das Risiko eines Haircuts ist nicht zu unterschätzen.