Kategorie-Archiv: Wirtschaft & Politiik

Ist das Ende der Rezession erreicht?

Am heutigen Mittwoch machte ein lang ersehnte Nachricht die Runde: „Die Wirtschaft in der Euro Zone wächst.“ Diese Nachricht kommt zu einem denkbar günstigem Zeitpunkt, denn wenige Wochen vor der Bundestagswahl kann die Regierung jede gute Nachricht gebrauchen. Die Bundesregierung kann nun nachweislich belegen, dass die Euro Rettungspolitik wirkt. Viele sehen gar nach gut zwei Jahren das Ende der historischen Rezession. Doch diese Einschätzung relativiert sich, wenn man sieht, dass das Wachstum gerade man 0,3 Prozent zum Vorquartal beträgt.

Zwei Gründe begünstigten das Wachstum in der Euro Zone. Zum einen haben die beiden Schwergewichte in der Euro Zone, Deutschland und Frankreich, wieder kräftig zugelegt und zum anderen ist die Rezession in den Krisenländern deutlich geringer ausgefallen als erwartet. So konnte das Europäische Statistikamt Eurostat das Wachstum als positiven Erfolg verkündigen.

Besonders freuen wird dies auch den Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi. Seine vor gut einem Jahr angekündigte Euro Rettungspolitik zeigt nun deutliche Erfolge. Damals hatte Draghi angekündigt, dass die Notenbank im Notfall Anleihen der Krisenländer aufkaufen werde. Den Investoren konnte er so die Angst vor einem Zusammenbruch des Euros nehmen und gleichzeitig das Vertrauen in den Währungsraum stärken. Auch die umstrittene Niedrigzinspolitik der EZB kann die positive Entwicklung der Wirtschaft begünstigt haben.

Zuversicht in der Eurozone wächst

Das Münchener ifo-Institut erhebt regelmäßig Daten zum Wirtschaftsklima in der Eurozone. Bei der Auswertung von Zahlen der vergangenen zwei Jahre zeigte sich ein stetiges Wachstum in der Zuversicht, deren höchster Stand im August erreicht wurde. Der Optimismus wird nun auch durch harte Zahlen belegt.

Motor für die Zuversicht und das Wachstum in der Eurozone ist wohl die deutsche Wirtschaft. Allein im zweiten Quartal 2013 wuchs die deutsche Wirtschaft im Vergleich zum Vorquartal um 0,7 Prozent. Diese Zahlen veröffentlichte das Statistische Bundesamt, nicht ohne Stolz, denn es ist der stärkste Anstieg seit Anfang 2012.

Der Unicredit Ökonom Alexander Koch sagte gegenüber dem Handelsblatt: „Die deutsche Wirtschaft hat ein beeindruckendes Comeback hingelegt.“ Laut dem Statistischen Bundesamt liegt das hohe Wachstum zum einen an der starken Binnenkonjunktur und zum anderen an höheren Investitionen. Die Investitionen kommen überwiegend aus dem Bausektor, denn aufgrund des langen und kalten Winters mussten große Teile der Bauproduktion zurückgestellt werden.

273149_web_R_B_by_Gabi Schoenemann_pixelio.de Bildquelle: © Gabi-Schoenemann/pixelio.de

Weitere Länder beeindrucken mit positiven Wirtschaftszahlen

Auch das zweite Europäische Schwergewicht Frankreich konnte gute Quartalszahlen abliefern. Während Experten lediglich mit einem Plus von 0,2 Prozent gerechnet hatten, wuchs die Wirtschaft um 0,5 Prozent, was überwiegend auf die starke Binnenkonjunktur zurückzuführen ist. Somit ist Frankreich auch weiterhin der zweite Wirtschaftsmotor in der Eurozone, neben Deutschland.

Ein beeindruckendes Comeback feierte aber das Krisenland Portugal. Im wirtschaftlichen Wachstum ist es der Spitzenreiter in der Eurozone, mit einem Plus von 1,1 Prozent. Es ist wünschenswert, dass dieser Trend sich auch in Zukunft fortsetzen wird.

DAX steigt dank niedrigem Leitzins

Am gestrigen Donnerstag verkündete der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, den neuen Leitzins. Dabei gab es keine Überraschung für die wartenden Journalisten, denn der Leitzins bleibt weiterhin bei 0,5 Prozentpunkten. Allerdings gab es doch ein kleines Novum bei dieser Pressekonferenz. Draghi verkündete, dass der Zins in den kommenden Monaten auf diesem niedrigen Niveau bleiben wird und stellte sogar in Aussicht, dass der Leitzins noch weiter sinken könnte. Diese Ankündigung könnte man schon fast als kleine Revolution bezeichnen, denn bislang ließen sich die Zentralbanker nie in die Karten schauen, wie lange der Zins auf welchem Niveau bleibt. Man wollte sich bislang immer flexibel halten, was mit der gestrigen Ankündigung nun nicht mehr ohne weiteres möglich ist. Die Zentralbanker wollen hiermit wohl ein eindeutiges Zeichen setzen und hoffen so auf eine Belebung der Wirtschaft in der Eurozone.

Die deutsche Börse in Frankfurt konnte der Ankündigung der EZB etwas positives abgewinnen, denn der DAX unterbrach seine Talfahrt der letzten Wochen. Die Händler scheinen sehr zufrieden mit der lockeren Geldpolitik der EZB und sorgten für ein Plus von 2,11 Prozent auf 7.994 Punkten. Nachdem der DAX in den vergangenen Wochen nur durch dramatische Kursverluste auf sich aufmerksam machte, ist dies ein wichtiger Lichtblick. Dieser positive Trend scheint sich auch am letzten Handelstag fortzusetzen, denn im vorbörslichen Handel übersprang der DAX locker die 8.000er Marke.
Weiteren Auftrieb für den DAX kann es heute um 12:00 Uhr aus Berlin geben, denn dann werden die neuen Daten zur Entwicklung des Auftragseingangs im Einzelhandel veröffentlicht. Experten rechnen hier mit einem Plus von gut 1,2 Prozent zum Vorjahr. Dies wäre ebenfalls ein positives Zeichen für den DAX, denn noch im April waren die Einzelhandelsumsätze um 2,3 Prozent niedriger als im Jahr zuvor.
Mit Spannung wartet man auf dem Frankfurter Parkett auch auf die neuen Daten der US-Jobdaten. Es wird erwartet, dass die US-Regierung eine anhaltende Erholung verkünden wird. Wenn dies zutrifft, würde es der Notenbank Fed ermöglicht, die extrem lockere Geldpolitik wieder etwas zurück zu schrauben.

Anzahl der Staatspleiten (Griechenland, Brasilien, Chile, Urugay … )

Finanzen.net hat gerade eine Serie zu den häufigsten Staatspleiten insgesamt vorgestellt: hier

Auch das Handelsblatt weißt darauf hin, dass Staatspleiten eher zur Regel gehören. hier

Wir haben eine Liste mit den letzten Staatspleiten zusammengetragen und eine Grafik mit der Häufigkeit von Staatsinsolvenzen gefunden.

Die teuersten Staatspleiten

  • Sowjetunion 1991
  • Weimarer Republik 1933
  • Argentinien 1982 und 2001
  • Brasilien 1999
  • Russland 1998
  • Süd-Korea 1997
  • Türkei 1977
  • Mexiko 1982
  • Philippinen 1997
  • Ecuador 1999

Auch spannend: Spanien wurde schon 13x Zahlungsunfähig! Deutschland 8x und Griechenland nur 5x!

Dazu eine Grafik zur Häufigkeit von Staatsinsolvenzen

 

Argentinien Pleite & Rechtsanwälte

ECO vom 19.09.2011

Schlecker Insolvenz

Seit Anfang des Jahres 2012 ist Schlecker buchstäblich in aller Munde. Dabei geht es weniger um die finanzielle Zukunft der beiden Generationen aus der Inhaberfamilie, als vielmehr um die bevorstehende Arbeitslosigkeit zigtausender Mitarbeiterinnen in allen Bundesländern. Arbeitsplatzverlust betrifft immer zwei Seiten. Dem Arbeitnehmer fehlt zukünftig, möglicherweise dauerhaft das bisherige Einkommen. Dem gegenüber steht die öffentliche Hand mit Jobcenter, Agentur für Arbeit, Ländern und Gemeinden, die finanzielle Unterstützung leisten, gesetzlich leisten müssen. Beginnend beim Arbeitslosengeld, kurz ALG I, weitergehend zum ALG II bis hin zum dauerhaften Aufstocken des Familieneinkommens. Entweder weil das wegfallende Einkommen nicht ausgeglichen werden kann, oder weil durch das verbleibende Einkommen die eine oder andere Grenze für öffentliche Hilfen wie beispielsweise Wohngeld oder ALG II-Aufstocken unterschritten wird.

Schlecker war bisher und ist bis auf Weiteres ein Arbeitgeber wie andere auch. Mit Vor- und Nachteilen für den Einzelnen, mit Einhaltung von Recht und Gesetz. Das deutsche Handelsrecht macht keinem Unternehmer zur Vorschrift, ob er seine Firma als Einzelunternehmen oder als Kapitalgesellschaft führt. Wenngleich Schlecker im Laufe der Jahre kapitale Fehler in der Unternehmensführung gemacht hat, sind das keine strafbaren Handlungen. Auch nicht die jetzige Insolvenz mit den damit verbundenen Arbeitsplatzverlusten.

Die Finanzierung der vorgesehenen Transfergesellschaften soll durch Bürgschaften der öffentlichen Hand, nämlich von den Bundesländern, abgesichert werden. Wer ein Darlehen gegen Bürgschaft vergibt, schätzt das Kreditausfallrisiko so hoch ein, dass er dem Darlehensnehmer nicht vertraut. Wenn die Bürgschaften der Länder fällig werden sollten, finanziert sie im Endeffekt der Bürger als Steuerzahler. Das wird im Haushalt der Bundesländer so nicht deutlich, weil nach dem Gesamtdeckungsprinzip alle Einnahmen zur Deckung aller Ausgaben dienen. Im Endeffekt würde, etwas überspitzt gesagt, jeder Bundesbürger die Aus- und Fortbildung aller bisherigen Schlecker-Mitarbeiterinnen in den Transfergesellschaften finanzieren, wenn es dem Insolvenzverwaltet nicht gelingt, diese Gesellschaften bürgschaftsfrei zu finanzieren.

Aufgrund der Termine und notwendigen Entscheidungen kann nicht alles fehlerfrei abgewickelt werden. Fehler mit finanziellen Auswirkungen sind vorprogrammiert. Es bleibt die Frage, wer sie im Endeffekt bezahlen muss. Möglicherweise sind es die Bürger als eine erzwungene Solidargemeinschaft zu Schlecker!

Energiewende: Comeback der Braunkohle

Die deutsche Energiewende, die doch eigentlich auch mehr Klimaschutz bringen sollte, hat zunächst einen gegenteiligen Effekt: Die Braunkohle erlebt einen erneuten Aufschwung. Der billige, aber sehr schmutzige Rohstoff füllt am schnellsten die Stromlücke, die durch das Abschalten der Kernkraftwerke entstanden ist. Umweltschützer sind entsetzt, Wirtschaftsexperten eher wenig verwundert.

Rückzug Atom, Vormarsch Braunkohle

Dass Atomkraftwerke abgeschaltet werden, beruhigt so gut wie jeden Bürger, und das zu Recht. Die Technologie ist nicht sicher, die Entsorgungsprobleme werden nicht nur die nächsten drei, sondern vielleicht die nächsten dreißig Generationen beschäftigen, und an die Gefahr von Terroranschlägen auf Kernkraftwerke mag kein Mensch bewusst denken. Doch irgendwo muss der Strom schließlich herkommen, und nachts scheint zu wenig Sonne für Solarstrom, auch Windkraft und Biomasse können die Lücke nicht füllen. Also avanciert die Braunkohle mit rund 25 Prozent im Strommix zum wichtigsten Stromlieferanten, aus einem einfachen Grund: Es gibt sie sowohl in Deutschland als auch in den Nachbarländern zu Spottpreisen, selbst aus Afrika kann man sie konkurrenzlos billig importieren. Und die Kraftwerkskapazitäten sind einfach da, um den Rohstoff zu verstromen. Für das Klima ist das verheerend, denn mehr Abgase als mit Braunkohle kann man kaum in die Luft pusten. Die Ageb (Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen) hat jetzt entsprechende Zahlen vorgelegt, nach denen die Braunkohleverstromung 2011 um 3,3 Prozent gestiegen ist.

Schmutzig, aber unumgänglich

Umweltschützer schlagen Alarm, Experten vom DIW (Deutsches Institut Wirtschaftsforschung) sind hingegen nicht überrascht. Wo der Strom sonst herkommen solle, fragt man dort gelassen. Aus Kernkraft und Kohle in Deutschland gleichzeitig aussteigen – unmöglich. Es wäre knapp die Hälfte der deutschen Stromerzeugung betroffen. Greenpeace fordert dennoch den Kohle-Ausstieg bis 2030, die Entwicklung in der Klimabilanz liefert hierfür auch gute Argumente. Die Treibhausgasemissionen steigen bei gleichbleibendem Braunkohleeinsatz um ein knappes Prozent, wenn nicht das Wetter – wie 2011 – eine etwas bessere Bilanz ermöglicht. Darauf kann man sich natürlich nicht verlassen. Fatal ist die Energieerzeugung mit Braun- oder Steinkohle auch deshalb, weil die Kraftwerke rein technologisch nicht mal eben an- und abgeschaltet werden können, jeder Block läuft über vier bis sechs Jahre rund um die Uhr, bevor er in eine Generalreparatur geht. Wenn also Kohlekraftwerke erst einmal angefahren werden, dann pusten sie CO2 in die Luft, ohne Wenn und Aber. Auch deshalb fordern Klimaschützer eine rasche Wende, die jedoch politisch beschlossen werden muss – bevor weitere Kohlekraftwerke gebaut werden. Sind Alternativen über Erneuerbare Energien denkbar? – Sie sind es. Dazu müssten allerdings Emissionsrechte für Kohle teurer gehandelt werden, und wir alle müssen wohl künftig für den Strom etwas tiefer in die Tasche greifen.

Energieerzeuger Eon: blamables Kopfnuss-Video

“E wie einfach” kennen deutsche Verbraucher inzwischen, es steht für den ganz einfachen Wechsel zum Energiekonzern Eon. Jetzt hat es sich der Energieriese etwas zu einfach gemacht, vielleicht auch nur ganz einfach einen Werbefilmer mit Geschmacksverirrung beauftragt und danach ganz einfach ein peinliches Video abgenickt und zur Veröffentlichung freigegeben: Wie einfach man doch einen Social Media Shitstorm auslösen kann! Wer diese unterste Schublade von “Werbung” besichtigen möchte, die inzwischen aus Facebook, Twitter & Co. gelöscht wurde, kann sich bei YouTube informieren. Über diesen Horror werden vielleicht noch unsere Enkel das Schütteln bekommen. Amüsieren kann man sich darüber nicht.

Die verbale Kurzfassung

des 21-Sekunden-Spots ist schnell erzählt: Ein Pärchen liegt im Bett, sie beugt sich schlaftrunken herüber: “Ich kann nicht schlafen!” Da verpasst ihr der junge Mann eine gewaltige Kopfnuss (mit seinem eigenen Kopf, wie im schlechtesten Gangster-Kino). Während sie bewusstlos ins Kissen sinkt, kommentiert der Sprecher amüsiert aus dem Off: “Ist doch ganz einfach – wie Eon!” – Ja, Eon. So einfach ist es, Kunden zu verlieren und das Gesicht dazu. Wahrscheinlich für immer, denn so eine einmalige Entgleisung dürfte kaum vergessen werden.

Der Spot wurde auch auf Social Media Kanälen veröffentlicht, was den eindeutigen Gipfel von Borniertheit darstellt. Denn aufgeklärte Facebook-Nutzer reagierten so, wie es in sozialen Medien (Gott sei Dank) erwartbar ist: mit einem Aufschrei der Empörung. Gewalt, Sexismus, Brutalität, Geschmacklosigkeit – jeder denkbare Vorwurf wurde erhoben. Inzwischen wurde die Verbreitung des Spots gestoppt, aber – schöne neue Welt – das ist im Internet-Zeitalter leider nicht mehr möglich. Er existiert tausendfach, und nur die guten Sitten verbieten uns an dieser Stelle, bei Eon mal nachzufragen: Wie blöd kann man eigentlich sein? – Uups. Nun haben wir doch nachgefragt.

Man hat sich zwar von Eon-Seite inzwischen entschuldigt und ist umfangreich zu Kreuze gekrochen. Das bringt
aber erfahrungsgemäß gar nichts. Ein Image ist sehr mühselig aufgebaut, der Absturz geht hingegen blitzschnell.

Anleihenkäufe der EZB ohne Alternative?

Seit Beginn der Schuldenkrise hat die Europäische Zentralbank Staatsanleihen im Wert von rund 200 Milliarden Euro aufgekauft. Ziel dieser Maßnahme ist es, die von finanziell angeschlagenen Staaten zu entrichtenden Zinsen zumindest auf ein erträgliches Niveau zu begrenzen. Teilweise gelingt das durchaus, der Zinsanstieg für italienische Staatsanleihen konnte auf diese Weise zumindest vorübergehend abgemildert werden. Allerdings existiert ein gewichtiges Argument, das von Kritikern dieser Strategie wiederholt vorgebracht wird: Die europäischen Verträge verbieten einen solchen Ankauf eigentlich.

Andere Länder – andere Sichtweisen

Das wesentliche Problem des Aufkaufs der Staatsanleihen durch die EZB besteht darin, dass auf diese Weise zusätzliches Geld in Umlauf gebracht wird. Damit bergen diese Ankäufe ein erhebliches Inflationsrisiko. Genau hier liegt der Grund dafür, dass die deutsche Politik dieser Strategie erheblich kritischer gegenübersteht, als dies in der Mehrzahl anderer Staaten der Fall ist. Hyperinflation und Währungsreform sind Erfahrungen, die beispielsweise Italien und Frankreich nicht gemacht haben. In Deutschland wird die Geldwertstabilität daher als oberster Ziel der Finanz- und Wirtschaftspolitik angesehen. Andere Länder sehen darin eines von mehreren Zielen, die miteinander in Einklang zu bringen sind, was gegebenenfalls auch Kompromisse bei der Geldwertstabilität erforderlich machen kann. Die von der EZB seit Mitte 2010 gefahrene Strategie ist daher beispielsweise in Großbritannien und den USA eine seit langem praktizierte und kaum kritisierte Vorgehensweise – wenn der Staat Geld braucht, wird es gedruckt. Wichtige Berater des amerikanischen Präsidenten Obama empfehlen beispielsweise, eine jährliche Inflationsrate von fünf bis sechs Prozent bewusst anzustreben, um auf diese Weise die Staatsschulden zu entwerten.

Weitere Argumente der Kritiker der EZB

Von politisch linker Seite werden die Anleihenkäufe der EZB mit dem Argument angegriffen, dass eine direkte Finanzierung der Staaten durch die EZB eine preiswertere Alternative sei. Gegenwärtig leiht die EZB Banken Geld zum niedrigen Leitzins, das diese zu erheblich höheren Zinsen als Kredite an die Staaten vergeben. Anschließend kauft die EZB diese Anleihen zumindest teilweise wieder auf. Wäre es da nicht günstiger, wenn Staaten sich direkt bei der EZB Geld leihen könnten? Nein, sagt zumindest die Mehrheit der Wirtschaftswissenschaftler. Eine solche Maßnahme würde die Kreditzinsen von der Verschuldungssituation eines Staates entkoppeln und damit zusätzliche Anreize für eine weitere Verschuldung setzen. Eine weitere diskutierte Alternative besteht darin, dass die EZB keine Staatsanleihen aufkauft, sondern lediglich zusichert, bei Bedarf Anleihen in unbegrenzter Höhe aufzukaufen. Die Hoffnung besteht darin, dass Staatsanleihen dadurch zu derart sicheren Anlagen würden, dass sich genügend private Anleger finden. Das Problem dieser Strategie besteht darin, dass die EZB damit auf eine ähnliche Linie einschwenkt wie die britische und die amerikanische Zentralbank. Zumindest in Deutschland ist das unerwünscht.