Sind Mittelstandsanleihen so gut wie ihr Ruf?

Vor gut 5 Jahren kamen die ersten Mittelstandsanleihen auf den Markt und wurden gerne von den Anlegern angenommen. Doch das Geld der Anleger könnte nach heutigen Erkenntnissen in Gefahr sein. Während der Begriff „Mittelstand“ in Deutschland für Solidarität und Seriosität steht, nehmen es einige der Firmen nach Recherchen von Finanzexperten nicht immer so genau mit den Begriffen, besonders wenn es um die Finanzen geht.

Nachdem die Banken aus dem großen Crash nicht unbeschadet davon kamen, haben die Mittelständler die Krise gut überstanden und waren eine ganz wichtige Säule Deutschlands. Man überlegte sich also, warum denn nur Banken das Geld für Investitionen an die Mittelständler geben sollten, auch private Anleger sollten die Möglichkeit haben in die Firmen investieren. Die Idee für den BondM und damit ein völlig neues Börsensegment war geboren. Die Grundidee schien verlockend und schien verlockend für die Anleger, aber natürlich auch für die Mittelständler. Sie machten sich damit unabhängiger von Banken und konnten auch mit dem Geld von Privatanlegern Maschinen und Hallen erwerben. Niedrigere Zinslasten für den Mittelstand und hohe Renditen für den Anleger, die Lösung war so einfach wie einleuchtend, zumindest in der Theorie.

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Bildquelle: © Cornerstone / pixelio.de

Die Ergebnisse sind nicht so rosig

Wie die ZEIT berichtet, sind bereits 34 Mittelstandsanleihen ausgefallen. Oder anders ausgedrückt, jedes sechste emittierte Papier ist betroffen. Die Unternehmen können die fälligen Zinsen nicht mehr zahlen oder sind ganz pleite gegangen. Doch wer glaubt nur kleine Unternehmen wären von der Pleite betroffen, der irrt. Unter den vielen Namen finden sich auch so klangvolle Namen wie das Kreuzfahrtschiff MS Deutschland, der Suppenhersteller Zamek und der Modehersteller Strenesse. Der Gesamtschaden beläuft sich gemäß des Berichts auf 900 Millionen Euro, wobei nicht bekannt ist wie viel davon bei den Anlegern auflief.

Die schlechten Erfahrungen haben auch Auswirkungen auf das Neugeschäft. Da seit Monaten kaum noch Emissionen glückten, kann man schon getrost von einem „toten Markt“ sprechen. Die schlimmen Nachrichten für die Anleger sind allerdings nach Meinung von Experten noch nicht vorbei, denn die meisten Mittelstandsanleihen haben ihren Fälligkeitstermin noch nicht erreicht. Es ist daher noch fraglich ob sie ihre Gelder erhalten werden. Bis 2019 müssen noch 147 Mittelstandsanleihen mit einem Volumen von 6,9 Milliarden Euro zurück gezahlt werden. Es gibt nicht Wenige, die meinen die Anzahl der Insolvenzen im Mittelstand wird in den kommenden Monaten noch ansteigen.

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Bildquelle: © BirgitH / pixelio.de

Auf der Suche nach der Ursache

Wenn es etwas schief geht, sucht man ja bekanntlich nach Ursachen, so auch bei den Mittelstandsanleihen. So gibt es bereits viele Erklärungen für die Pleitewelle, eine hält sich aber besonders hartnäckig: Mittelstandsanleihen sind ein reiner Etikettenschwindel. Man spielte wohl bewusst mit dem Wort Mittelstand, um den unbedarften Anlegern das Geld aus den Taschen zu ziehen. Viele Experten nennen die Anleihen gerne auch „Junk Bonds“, also Ramschpapiere, denn sie halten nicht was sie versprechen und nur wenige Emittenten entpuppten sich als solide Unternehmen.

Schaut man sich weiterhin genauer an wer in die Mittelstandsanleihen investiert, findet man wenige finanzstarke Kapitalgeber die gerne mal ein Wagnis eingehen. Es sind vielmehr unbedarfte Privatanleger die hier anlegten, ganz besonders auffällig ist dies bei den sogenannten Ökounternehmen.

Kritik wird aber nicht nur an den Unternehmen geübt. Es fehlt schlicht an einer großen Bank, die mit ihrer Erfahrung und seinem Namen für die Qualität der Anleihe steht. Oftmals haben nur kleine Banken die Emissionen begleitet, die zudem auch kaum Reputationsrisiken zu tragen hatten. Besonders gut verdient an dem Boom haben auch die Börsen in Stuttgart, Frankfurt und Düsseldorf. Sie rissen sich um die Unternehmen und verpassten es dabei die Solidität ausreichend zu prüfen. Auch bei den Rating Agenturen kann man Kritik üben. Doch nicht bei den großen und bekannten amerikanischen Unternehmen, denn das Rating übernahmen fast ausschließlich kleine deutsche Ratingagenturen. So kamen im Nachgang unverständliche Beurteilungen zustande, über die man sich einfach zur wundern kann. Die Anleihe der MS Deutschland trug zum Beispiel lange Zeit ein A-Rating, ein Rating was sonst nur Großkonzerne wie BASF oder Daimler tragen dürfen. Es drängt sich also unweigerlich der Verdacht auf, dass hier gemauschelt wurde.

Die Anleger von noch fälligen Papieren dürfen somit gespannt sein ob sie ihr Erspartes zurück erhalten, oder mit Abstrichen leben müssen.

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Bildquelle: © Rainer-Sturm / pixelio.de

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